Das tatsächliche Problem?


Laut Österreichischem TierSchG § 5. (1) und (2) ist die Zucht von Tieren verboten, die zu vorhersehbaren, erblich bedingten, klinischen Symptomen führt, welche sich wiederum dauerhaft und wesentlich auf die Gesundheit auswirken, physiologische Lebensläufe wesentlich beeinträchtigen oder in einer erhöhten Verletzungsgefahr resultieren ("Qualzucht"). 

Widderkaninchen - Eine Qualzucht?

Betreff: QUEN-Kn-MB-sD-2022_1  "Merkblatt Kaninchen Typ Widder" (Stand 11/2022 - Version 3.0)

Vorwürfe: "Im Vergleich zu Stehohrkaninchen haben Kaninchen mit hängenden Ohren

  • veränderte knöcherne Strukturen der Bullae sowie einen verengten Ohrkanal mit mangelnder Belüftung und einer gestörten Selbstreinigung, in dem sich Entzündungsmaterial sammelt (ggf. Wachstum obligat anaerober gram-negativer Bakterien), und damit ein größeres Risiko für Ohrerkrankungen (1);
  • vermehrt Zahnprobleme durch Brachyzephalie (Zwergwidder sind bei der Feststellung von Zahnproblemen überrepräsentiert.) (2);
  • ggf. eingeschränkte Sinnesleistungen (Hören, Sehen) (3);
  • ggf. Kommunikationsschwierigkeiten (4);
  • eine erhöhte Verletzungsgefahr der Ohren (insbesondere bei Englischen Widdern) (5);

 womit der Verdacht einer Qualzucht besteht."

Anmerkungen: 
Die im Merkblatt unter Punkt 14 genannten Referenzen (M. E. Buseth & R. Saunders 2014; R. de Matos et al. 2015; Y. Eckert et al. 2017; J. C. Johnson & C. C. Burn 2019; M. Reuschel 2018) sind NICHT geeignet, um eine Allgemeingültigkeit der Aussagen festzustellen. Die "umfangreicheren Literaturlisten" inklusive eindeutiger Zuordnung zu den einzelnen Vorwürfen wurden - ebenso wie sonstige unterstützende Daten - BISHER NICHT zur Verfügung gestellt. Deshalb werden die Ansprüche "alle notwendigen Informationen zur Literatur" zu liefern, "transparent" und "evidenzbasiert" zu sein, im Merkblatt Widderkaninchen in seiner aktuellen Version nicht erfüllt; Nachvollziehbarkeit und Nachprüfbarkeit der Aussagen sind NICHT gegeben  (Stand 12/2022).


Disclaimer: Die vorliegende Seite dient NICHT dem Kleinreden von bestimmten Abwegen in der Kaninchenzucht, sondern der Fragestellung, ob auf Grund wissenschaftlicher Erkenntnisse Widderkaninchen PAUSCHAL als "Qualzucht" bezeichnet werden können.

Was sagt die Wissenschaft?

 

1) Ohrenentzündungen

Grundsätzlich können Mittel- und Innenohrentzündungen (ohne Beteiligung des äußeren Gehörganges und bei intaktem Trommelfell) durch Schnupfenerreger verursacht werden, die vom Nasenrachenraum über die Eustachische Röhre zum Mittelohr wandern. Die Otitis kann parallel zur Schnupfenerkrankung verlaufen, sich erst bemerkbar machen, wenn die Schnupfensymptome bereits längere Zeit abgeklungen sind oder auch ohne vorangegangene Schnupfensymptome auftreten (Ewringmann 2016). Mögliche Symptome einer Mittelohrentzündung (Otitis media) sind Appetitmangel, Teilnahmslosigkeit, Kopfschütteln, Kratzen am Ohr, tastbare Schwellungen an der Ohrbasis, Asymmetrie des Gesichts oder sichtbares Material im äußeren Gehörgang; bzw. einer Innenohrentzündung (Otitis interna) Kopfschiefhaltung oder motorische Beeinträchtigungen; Otitis media oder interna können aber auch ohne klinische Symptome auftreten (Flatt et al. 1977; Mayer & Donnelly 2013; Csomos et al. 2016; Richardson et al. 2019).

Sekundär kann sich eine Mittelohrentzündung durch das Trommelfell zum Außenohr ausbreiten (Mayer & Donnelly 2013; Csomos et al. 2016).

Außenohrentzündungen (Otitis externa) können z.B. nach Milbenbefall, Fremdkörpern im Ohr, Bissverletzungen, bzw. allgemein umweltbedingt geschädigter Haut (Eindringen von Bakterien, Pilzen oder Hefen) oder exzessiver Produktion von Cerumen entstehen; verbreitete Symptome sind vermehrtes Kratzen an den Ohren oder Kopfschütteln. Eine unbehandelte Entzündung des Außenohrs kann zur Schädigung des Trommelfells und in weiterer Folge ebenfalls zu einer Mittel-/ Innenohrentzündung führen. Widderkaninchen könnten eine erhöhte Anfälligkeit für die Ausbildung einer Otitis externa haben (Capello et al. 2006; Mayer & Donnelly 2013; Csomos et al. 2016).

Zu den häufigsten Vorstellungsgründen von Kaninchen in Tierarztpraxen gehören Erkrankungen der Zähne*, Kastration, Magen-Darm-Erkrankungen, Augenerkrankungen, Hauterkrankungen oder überlange Krallen. Mögliche Ohrenerkrankungen in Verbindung mit z.B. "Verdacht auf EC", "Störungen des ZNS" oder "Schnupfen" kommen dagegen deutlich seltener vor (Langenecker et al. 2009; Mulan & Main 2006).
*: Annahme: Metabolische Faktoren oder Verletzungen als Hauptursache für erworbene Zahnerkrankungen. Allerdings kann auch eine subklinische Otitis media, bedingt durch Schmerzen oder einer Entzündung des Gesichtsnervs (Nervus facialis), zu einem veränderten Kauverhalten, d.h. sekundär zu Zahnerkrankungen führen (Koterwas 2020).

Flatt et al. (1977) stellten bei der post-mortem Untersuchung von 2584 Schlachtkaninchen - vermutlich überwiegend mit Stehohren - trotz fehlender klinischer Symptome eine hohe Prävalenz von Otitis media besonders bei älteren Tieren fest. 

Computertomographie (CT) wird von Thöle & Cinquoncie (2022) als "Goldstandard" der Otitis-Diagnostik beim Kaninchen bezeichnet, jedoch verweisen sie diese Aussage auf eine Arbeit, in der festgestellt wird, dass CT für sich allein genommen möglicherweise nicht ausreichend für eine eindeutige Diagnose sei (Richardson et al. 2019).
 

Es gibt bisher (Stand 12/2022) keine veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit, aus der eine allgemeine, höhere Anfälligkeit für Ohrentzündungen von Widder- gegenüber Stehohrkaninchen abgeleitet werden könnte. Schlussfolgerungen von Fallstudien können immer nur auf die jeweilige (eingeschränkte) Auswahl bezogen werden. So geschehen in einer englischen Arbeit, die Untersuchungsergebnisse aus einem Tierheim präsentierte: Es wurde festgestellt, dass die getroffene, subjektive Auswahl von insgesamt 30 Kaninchen "selbstverständlich" NICHT repräsentativ für alle Hauskaninchen sein kann (Johnson & Burn 2019). Aus diesem Grund eignet sich diese Arbeit für sich allein genommen auch nicht als Literaturnachweis für den Beleg einer allgemeinen Qualzucht.  

Ebenso wenig geeignet für eine allgemeine Schlussfolgerung ist die Arbeit von Reuschel (2018), in der CT-Aufnahmen von 388 - im Kopfbereich erkrankten - Kaninchen ausgewertet wurden.

Bei einer Auswertung von 6349 Kaninchen, welche im Jahr 2013 an 107 Englischen Tierkliniken als Patienten dokumentiert wurden, wurde festgestellt, dass eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse oft weder vom Besitzer noch vom beteiligten tiermedizinischen Personal bestimmt werden konnte, wobei Kaninchen mit hängenden Ohren viel häufiger vertreten waren als Kaninchen mit Stehohren. Ohrenentzündungen oder Ohrabszesse kamen auch in dieser Studie selten und eher bei älteren Tieren vor. Schlussfolgernd wurden tiefergehende Untersuchungen bestimmter Rassemerkmale empfohlen, um das Verständnis für potentielle Risikofaktoren für verschiedene Erkrankungen zu erhöhen (O'Neill et al. 2020).


Verfügbare Forschungsarbeiten zu möglichen kausalen Pathogenen:

  • Flatt et al. (1977) isolierten bei den von Otits media betroffenen Tieren (vermutlich überwiegend mit stehenden Ohren) insbesondere Pasteurella multocida (fakultativ anaerob).
  • "Qinton et al. (2014) untersuchten 146 Zwergkaninchen ohne Otitis externa: 78 männliche und 68 weibliche Tiere in einem Alter von 3 Monaten bis 11 Jahren (Mittelwert 4,5 Jahre). 38 der Kaninchen hatten hängende Ohren und 108 Stehohren. Fazit: KEINE signifikanten Unterschiede im Vergleich von Stehohr- zu "Schlappohrkaninchen" in Bezug auf ein "Wachstum obligat anaerober gram-negativer Bakterien" durch den "Luftabschluss" hängender Ohren bei Kaninchen.
  • Reuschel (2018) untersuchte in seiner Dissertation die Bakterienkultur des Innenohres im Vergleich von Stehohr- zu "Schlappohrkaninchen". Fazit: KEINE signifikanten Unterschiede im Vergleich von Stehohr- zu "Schlappohrkaninchen in Bezug auf ein "Wachstum obligat anaerober gram-negativer Bakterien" durch den "Luftabschluss" hängender Ohren bei Kaninchen.
  • Von Johnson & Burn (2019) wurde u. a. auch die Bakterienkultur im Innenohr der jeweils 15 ausgesuchten Stehohr- und Hängeohrkaninchen untersucht. Fazit: KEINE signifikanten Unterschiede im Vergleich von Stehohr- zu "Schlappohrkaninchen" in Bezug auf ein "Wachstum obligat anaerober gram-negativer Bakterien" durch den "Luftabschluss" hängender Ohren bei Kaninchen."

(zitiert nach Rühle 2022, FB "Kaninchen würden Wiese kaufen", Veröffentlichung am 01.06.2022)

Jedoch könnte die herkömmliche Methode der Kultivierung von Keimen auf Agarplatten gerade hinsichtlich der Identifizierung und Quantifizierung anaerober Mikroorganismen limitiert sein. 
Vecere et al. (2022) verglichen das Mikrobiom von klinisch gesunden Kaninchen (n=34) mit dem Mikrobiom von Kaninchen mit Außenohrentzündung (n=16) mittels einer modernen Technologie zur DNA-Sequenzierung (next-generation sequencing, NGS; Illumina platform). In beiden Gruppen wurde eine große Variabilität zwischen den einzelnen Individuen festgestellt - Während das Mikrobiom der gesunden Kaninchen insgesamt eine sehr hohe Diversität zeigte, herrschten bei den erkrankten Kaninchen aber bestimmte Keime deutlich vor, z.B. Staphylococcus aureus (fakultativ anaerob).
Schlussfolgernd könnten sowohl Bakterien als auch Pilze eine Rolle bei der Entstehung einer Außenohrentzündung spielen - Zum besseren Verständnis der komplexen Dynamik des Mikrobioms und zur Identifikation kausaler Faktoren für die Entstehung von Außenohrenentzündungen wären jedoch weitere Forschungsarbeiten notwendig (... z.B. eine differenzierte Betrachtung von Stehohr- und "Schlappohrkaninchen" mittels NGS).

2) Brachyzephalie

Brachygnathia superior/ Mandibuläre Prognathie: verkürzter Oberkiefer, vermutlich autosomal rezessive, Rasse-unabhängige Vererbung (Genetik); eine enge Verwandtschaftszucht kann treibender Faktor sein: https://kaninchen-wuerden-wiese-kaufen.de/Zahnfehler; (Rühle 2020/63).


Brachyzephale Kopfform/ allometrische Brachyzephalie: allgemein verkürzte Gesichtsform ("insbesondere bei Zwergkaninchen"; bisher allerdings kein System zur Klassifizierung verfügbar (Hedley et al. 2022))
Eine verkürzte Gesichtsform könnte möglicherweise mit Malokklusion und damit einhergehendem übermäßigen Wachstum der Schneidezähne zusammen hängen. Im Gegensatz zu Hunden oder Katzen wurde diese Form der Brachyzephalie beim Kaninchen bisher nur wenig erforscht. 

Der Zwergenfaktor (Inaktivierung des Gens HMGA2) könnte eine Rolle bei erblichen Zahnfehlstellungen spielen. Allerdings tragen nur Typzwerge, bzw. nicht alle (Zwerg-)Kaninchen diesen Defekt (ausgenommen sind z.B. alle "Langohren" oder Zwergwidder nach ZDRK oder EE Standard, bzw. alle größeren Widder), weshalb eine verallgemeinerte Zuordnung zu Widderkaninchen keinen Sinn ergibt. 

Zusammenfassend gibt es noch sehr viele Unsicherheitsfaktoren - neben genetischen Faktoren könnten umweltbedingte oder epigenetische Faktoren wesentlich für in diesem Zusammenhang auftretende Zahnanomalien verantwortlich sein (Geiger et al. 2021).


Im Rahmen einer deutschen Dissertation wurde eine Auswahl von 80 als Heimtiere gehaltenen Kaninchen untersucht - viele davon wiesen z.B. eine mangelhafte Futteraufnahme, Zahn- oder Kiefererkrankungen auf. Aus der Vermessung der Kiefer in Relation zu Zahnerkrankungen wurde festgestellt: "Die Vermutung, dass rundere Kopfformen, wie sie bei Zwerg- und Widderkaninchen rassetypisch sind, als Prädisposition für Zahn- und Kiefererkrankungen anzusehen sind, kann damit vorliegend NICHT bestätigt werden." (Glöckner 2002)

In einer englischen Dissertation wurde im Jahr 2006 in Bezug auf die untersuchte Prävalenz für Zahnerkrankungen zwischen Zwergkaninchen, Zwergwiddern sowie Nicht-Zwergen (Kaninchen mit Stehohren als auch hängenden Ohren) - insgesamt wurden 1.254 Kaninchen untersucht - KEIN signifikanter Unterschied festgestellt. Eine Schlussfolgerung dieser Arbeit war, dass metabolische Knochenerkrankungen* eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung von Zahnerkrankungen bei Hauskaninchen spielen. Für die Überprüfung dieser Hypothese wäre jedoch eine kontrollierte prospektive Studie über mehrere Jahre hinweg notwendig (Harcourt-Brown 2006).
*: Metabolische Knochenerkrankungen werden durch eine ungeeignete Ernährung erworben - auch haltungsbedingte Faktoren (z.B. Kastration, Lichtverhältnisse) können eine Rolle spielen.

Auch Korn (2016) konnte in ihrer Dissertation (n=281) KEINEN Zusammenhang zwischen pathologischen Gebissveränderungen und Zwergrassen mit gedrungener Schädelform finden: "Fast alle Kaninchen, die in dieser Untersuchung von einem Aufbiss oder einer Brachygnathia superior betroffen waren, gehörten einer mittelgroßen bis großen Rasse an."

Böhmer & Böhmer (2020) merkten in ihrer Untersuchung der Anwendbarkeit anatomischer Referenzlinien zur Interpretation von Zahnerkrankungen an, dass morphologische Veränderungen des Gebisses (bei denen die Referenzlinie nicht anwendbar war) nicht zwingend vererbt werden, sondern durchaus im Zusammenhang mit postnataler Fehlernährung stehen können.

"Das größte Problem in der Zucht von Zwergkaninchen für den Heimtiermarkt liegt in der fehlenden Selektion auf gesunde Tiere und in der mangelhaften Haltungsberatung [...]." (Not 1998; zitiert nach Rühle 2020/63)

Im Gegensatz zu QUEN oder anderen Tierschutzaktivisten wird auf der Website des "Royal Veterinary College" (RVC) der Universität London mit der Frage, ob Kaninchen mit Hängeohren häufiger an Gehör- und Zahnerkrankungen leiden, immer noch eine Hypothese formuliert (Do lop-eared rabbits have more dental and aural disease than erect-eared rabbits? / Are lop-eared rabbits more predisposed to dental and ear diseases than erect-eared rabbits? - Veröffentlichung ausstehend).

3) Sinnesleistungen

Hören

Claaßen (2004): Anzahl untersuchter Kaninchen: 94 (Gruppe 1: 74 gesunde Tiere, davon 19 Zwergwidder; Gruppe 2: 20 kranke Tiere, davon 5 Zwergwidder); mögliche Einflussfaktoren wie z.B. Herkunft oder Fellfarbe (weiße Abzeichen im Kopfbereich) blieben unberücksichtigt; "Aufgrund der hohen Variabilität der Hörschwelle überstieg häufig die Standardabweichung die Mittelwerte, aus diesem Grund wurden die Mediane verwendet."; Ergebnis: In JEDER Gruppe von Kaninchen waren auch taube Tiere vorhanden - egal ob gesund, krank, "Zwergwidder" oder eine andere Rasse. Schlussfolgerung: Es konnte KEIN signifikanter Unterschied festgestellt werden.
Damit ist diese Arbeit als Nachweis für eine Qualzucht ungeeignet.


Sehen

ALLE domestizierten Kaninchen haben im Vergleich zum Wildkaninchen tiefer liegende, kleinere Augen und damit ein eingeschränktes Sichtfeld. Wenn für eine Beurteilung als Referenz das Wildkaninchen heranzuziehen wäre, so wie von QUEN vorgeschlagen, so wären alle Hauskaninchen von einem Zuchtverbot betroffen (siehe auch FB "Kaninchen würden Wiese kaufen",  Wildkaninchen vs. Roter Neuseeländer, Veröffentlichungen vom 01.10.2022).
 

Domestikation und resultierende Veränderungen

Als Ergebnis der Domestikation und der damit verbundenen Selektion auf Zahmheit und Anpassungsfähigkeit an vorgegebene Haltungsbedingungen ist bei ALLEN Hauskaninchen die Entwicklung des Ektoderms (äußeres der drei Keimblätter während der Embryogenese), des Gehirns, der Sinnesorgane (Hören, Sehen) oder des Atemsystems im Vergleich zu Wildkaninchen verändert. Zugrunde liegt eine komplexe Genetik, bei deren Ausprägung sich zahlreiche Mutationen - vor allem innerhalb regulatorischer DNA-Abschnitte - summieren (Carneiro et al. 2014). Außerdem ist durch die Anhäufung von genetischen Variationen das Fluchtverhalten von Hauskaninchen gehemmt (Garreau & Gunia 2018).

Gewisse Beeinträchtigungen sind bei ALLEN Hauskaninchen im Vergleich zum Wildkaninchen vorhanden, nicht nur bei Widderkaninchen. In geschützten Haltungsbedingungen mit geringem oder nicht vorhandenem Feinddruck sind Hauskaninchen jedoch nicht zwingend auf gutes Hören, ein großes Sichtfeld oder schnelles Reaktionsvermögen (Flucht) angewiesen. 

Laut TierSchG § 13 ist die Haltung von domestizierten Tieren ausdrücklich erlaubt. Domestikation pauschal als Qual zu beurteilen erscheint daher äußerst fragwürdig.

4) Kommunikation

Die gesamte Körperhaltung sowie Gerüche haben in der Kommunikation zwischen Kaninchen eine deutlich größere Bedeutung als die Stellung der Ohren (eigene Beobachtung; Kraft 1976; Rühle 2022, Beobachtungen an Wildkaninchen, FB "Kaninchen würden Wiese kaufen", Veröffentlichungen vom 08. bis 14.06.2022).

5) Verletzungsgefahr

Bei eigenen Beobachtungen einer naturnah gehaltenen Kleingruppe konnte bisher in Bezug auf die Anfälligkeit für Verletzungen der Ohren kein auffälliger Unterschied zwischen Kaninchen mit stehenden und hängenden Ohren festgestellt werden. Eher streitlustig und daher anfällig für Verletzungen haben sich Häsinnen ab Geschlechtsreife gezeigt - unabhängig von der Ohranatomie. (Siehe dazu auch die folgende Feststellung: "Aggressives Verhalten von Häsinnen unterliegt jahreszeitlichen Schwankungen und erreicht einen ersten Höhepunkt mit dem Eintritt der Geschlechtsreife." (Hoy 2009, zitiert nach Buhl 2017))

Bei einer gemeinschaftlichen Haltung von Kaninchen sind bei stabiler Rangfolge zwar die meisten sozialen Interaktionen von freundlicher Natur, aber dennoch können Streitereien vorkommen - insbesondere unter Beteiligung von zwei oder mehr Häsinnen; nur bei Einzelhaltung (getrennte Haltungseinrichtungen ohne natürlichen Bewuchs) können entsprechende Verletzungen ausgeschlossen werden. Mit einem dauerhaft großzügigen Platzangebot ohne Engstellen und Sackgassen kann das Verletzungsrisiko auch in einer Paar- oder Gruppenhaltung reduziert werden. In einer naturnahen Haltung empfiehlt es sich, etablierte Fluchtwege möglichst zu erhalten (keine Gegenstände in den Weg stellen).

 

Mehr zum Thema:

》BMEL schafft Klarheit zur Thematik der Qualzucht UND Merkblatt mit kurzer Halbwertszeit - Kaninchenzeitung 1/2023《

Die "Qualzucht"-Kampagne des QUEN - gemeinschaftliche Sonderausgabe Kleintiernews und KaninchenZeitung 11/2022 (Download: https:://www.kaninchenzeitung.de/wp-content/uploads/2022/12/E-Paper_Kaninchenzeitung_Qualzuchten_.pdf)

》Die "Qualzucht"-Kampagne des QUEN - Kleintiernews 86 09/2022《

》Kritische Beleuchtung von "Qualzuchten" - Kleintiernews 63 10/2020《  

》 Zuchtformen und "Qualzucht" - Kleintiernews 57 04/2020《 

https://www.facebook.com/kwwk2015

Qualzucht I



Unabhängig vom Ausgang aktueller Forschungsprojekte sollten insbesondere Widderkaninchen von ihren Haltern stets gut beobachtet werden (Verhalten allgemein, Fressverhalten, regelmäßiges Abtasten des Kopfbereichs - insbesondere der Ohrbasis - auf Verdickungen oder erhöhte Temperatur, in die Ohren schauen, Gesichtsausdruck), denn aufgrund ihres ruhigen Wesens könnten beginnende Erkrankungen - z.B. Otitis - möglicherweise leicht übersehen werden. Bei ALLEN Kaninchen sollten bei jeder tierärztlichen (Routine-)Untersuchung die Ohren angeschaut und bei Verdacht auf eine Otitis weitere Untersuchungen (z.B. Zytologie und CT) eingeleitet werden. 

Meistens sind Erkrankungen multifaktoriell bedingt: die Zuchtform, z.B. Hängende Ohren, kann eine Rolle spielen (muss aber nicht) - bereits nachweislich der Gesundheit dienliche Faktoren sind eine bedarfsgerechte Ernährung, angemessene Haltungsbedingungen sowie kontrollierte Zucht einschließlich angemessener Selektion. 

Erkrankungen oder Verhaltensprobleme sind nicht zwingend allein auf eine bestimmte Zuchtform zurückzuführen.

Eine überzeugende Risikobewertung erfordert einen transparenten und wissenschaftlich fundierten Ansatz mit solider Argumentation!

Datenbank Tiergenetische Ressourcen in Deutschland (TGRDEU)

Auftraggeber: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)

Liste einheimischer Kaninchenrassen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

(siehe auch Rote Liste alter einheimischer Kaninchenrassen in Deutschland der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH))

Demnach zählen Deutsche, Englische und Meißner Widder zu den erhaltenswerten Kaninchenrassen.

Quelle: klimafakten.de
Quelle: klimafakten.de

Mit dem "grantigen Onkel" typische Desinformations-Methoden kennen lernen:
https://app.crankyuncle.info/home

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