ZUCHT


Ausgehend von Südfrankreich und der Iberischen Halbinsel begann im Mittelalter die Domestikation von Kaninchen mit dem Ziel, sie als leicht verfügbares Nahrungsmittel zu nutzen (Jamieson et al. 1999; Carneiro et al. 2014). Resultierend aus der Haltung von Wildkaninchen in Gehegen wurde die Ausprägung bestimmter Charakteristika gefördert: Ab Anfang des 17. Jahrhunderts wurden neben der Wildform verschiedene andere Fellfarben und -längen (weiß, schwarz, gelb, blau, gescheckt oder mit Silberung, sowie Angora) oder auch größere Kaninchen beschrieben, und es begann eine gezielte Selektion bestimmter Merkmale (Fontanesi 2021b). Mittlerweile legen Zuchtverbände bestimmte Kriterien für anerkannte Rassen im sogenannten Standard fest.

Verantwortungsbewusstes Züchten nach Rassestandard bedeutet ein Verpaaren von sorgfältig ausgewählten, zuchtreifen Kaninchen zur Förderung oder Erhaltung typischer Merkmale unter Berücksichtigung von Tierwohl und Tiergesundheit. Dazu zählen geringe Jungtier-Verluste, Krankheitsresistenz (Zuchtausschluss von immunschwachen, stressanfälligen Tieren), Erhalt einer genetischen Vielfalt durch Vermeidung enger Verwandtschaftszucht und eine Vermeidung von Gendefekten.

Unter dem Aspekt der Ernährungssicherheit - z.B. für den Fall einer notwendigen Anpassung an den Klimawandel - stößt die Forderung nach dem langfristigen Erhalt tiergenetischer Ressourcen ("Agrobiodiversität") auf breite politische Unterstützung (Kleinhückelkotten et al. 2006; siehe auch BMEL AgrobiodiversitätKongress zur Zucht und Erhaltung alter und bedrohter einheimischer Nutztierrassen - Vorträge Kaninchen siehe ZDRK). Erhaltungszucht inkludiert deshalb auch einen Schwerpunkt auf Leistung (Fruchtbarkeit, Vitalität und Wachstum), welche wiederum die Möglichkeit, bzw. Notwendigkeit einer landwirtschaftlichen Nutzung (Selbstversorgung) mit sich bringen kann. Im Gegenzug kann Erhaltungszucht zur Reduktion von Intensivhaltungen beitragen.
Rasseerhalt darf selbstverständlich kein Argument dafür sein, Tierleid in Kauf zu nehmen; eine angemessene Haltung und eine bedarfsgerechte Ernährung müssen vorausgesetzt werden.

Kennzeichnung von Rassekaninchen

Kaninchenzüchter, die Zuchtvereinen des Rassezuchtverbands österreichischer Kleintierzüchter (RÖK), bzw. eines untergeordneten Landesverbands angehören, dürfen ihre Kaninchen nach deren Richtlinien mittels Tätowierung kennzeichnen lassen. Dies übernimmt der Tätowiermeister des jeweiligen Vereins.

Voraussetzungen: 

  • vorliegender Deckschein;
  • die Elterntiere gehören augenscheinlich einer anerkannten Rasse und einem anerkannten Farbschlag an;
  • Anmeldung des Wurfs beim Zuchtbuchführer innerhalb acht Wochen nach der Geburt;
  • die Kennzeichnung muss bis zum Alter von drei Monaten erfolgen. 

Anhand der Tätowierung kann ein Tier zweifelsfrei identifiziert werden. Zudem bestätigt sie eine Rassezugehörigkeit des Kaninchens. Im rechten Ohr der Kaninchen wird das dem Verein zugeteilte Vereinskennzeichen tätowiert, im linken Ohr eine mindestens dreistellige Zahl. Diese Zahl gibt den Geburtsmonat (1 bis 9*), die Endziffer des Geburtsjahrs (z.B. 2 für 2022) und die fortlaufende Zuchtbuchnummer der jeweiligen Rasse an. *Jungtiere von Oktober, November und Dezember werden mit 0 und der Jahreszahl des Folgejahres tätowiert, denn ein Zuchtjahr beginnt am 01. Oktober des Vorjahres. Die Dokumentation tätowierter Tiere erfolgt mittels Vereinszuchtbuch.


Zeichenerklärung

1,0 - Rammler
0,1 - Häsin

Neun Wochen altes Jungtier zwei Tage nach dem Tätowieren
Neun Wochen altes Jungtier zwei Tage nach dem Tätowieren
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