INFEKTIONS-KRANKHEITEN

VIREN


Kaninchenseuche und Hämorrhagische Krankheit


Die folgenden Verweise bieten Informationen zu den hochansteckenden Viruserkrankungen Kaninchenseuche (Myxomatose, Erreger: Myxoma-Virus) und Hämorrhagische Krankheit (RHD, Erreger: RHDV-1, RHDV-2).

Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES):


Eine Übersicht über bestätigte oder mögliche und an "kaninchen.fiebig" gemeldete Vorkommen von Myxomatose und RHD I/II bietet die folgende Karte. Hinweis: Es besteht keine Meldepflicht. Die tatsächliche Ausbreitung kann also abweichen.

(Möglichkeit zum Filtern, z.B. nach Jahr: Button oben links)

Ein Eintrag in die Seuchenkarte ist über den folgenden Link möglich 

Bakterien und Viren


Schnupfen/ Erkrankung der oberen Atemwege


Bedingt durch Trockenheit, Staub (z.B. auch staubige Futtermittelbestandteile), Allergene oder Stress kann Niesen oder eine feuchte Nase gelegentlich vorkommen. Ist das Allgemeinbefinden ansonsten ungestört, so kann zunächst von einem "Allergischen Schnupfen" ausgegangen werden.

Dauern dieses Symptome - auch verbunden z.B. mit Atemgeräuschen oder vermehrtem Putzen der Nase mit den Vorderpfoten und einem beeinträchtigten Allgemeinbefinden (z.B. Fressunlust, Abgeschlagenheit) - länger als ein bis zwei Tage an, so empfiehlt es sich, per Abstrich oder Spülprobe von einem Tierarzt zu klären, welche Erreger beteiligt sind. Meist handelt es sich bei "Ansteckendem Schnupfen" (Rhinitis) um eine Mischinfektion, an der vorherrschend z.B. Pasteurella (P.) multocida, Bordetella (B.) bronchiseptica oder Staphylococcus (S.) aureus beteiligt sein können. Aber auch verschiedene Viren kommen als primäre Erreger in Frage.

Eine Ansteckung erfolgt über direkten Kontakt mit Nasensekret erkrankter Kaninchen und kann durch ein geschwächtes Immunsystem (z.B. durch Mangelernährung oder nach dem Winter), Haltungsfehler (z.B. großer Tierbestand auf kleinem Raum, Zugluft, Staubbelastung, schlechte Hygiene) oder eine Änderung in der Haltung (z.B. Vergesellschaftungen, Transporte, Änderungen in der Unterbringung) begünstigt werden.

Vorbeugend oder unterstützend können z.B. Samen von Anis, Fenchel und Kümmel sowie Kresse, Liebstöckel, Thymian, Weidenrinde, Spitz- und Breitwegerich, Schafgarbe, Oregano oder getrocknete Brennnessel angeboten werden.

Achtung: Wird ein ansteckender Schnupfen nicht rechtzeitig behandelt, ist keine Heilung mehr möglich! (Denn bakterielle Exotoxine können die Nasenschleimhaut und schließlich die Nasenmuschelknochen zerstören (Wilson & Ho 2013; DiGiacomo et al. 1991). Bereits bei ersten Anzeichen vermehrter Schleimbildung kann das Zufüttern eines Schleimlösers Abhilfe schaffen (z.B. Bisolvon®-Pulver - über einen Tierarzt zu beziehen). 

Auch gut zu wissen:

  • Bei einem gut kontrollierten chronischen Schnupfen kann es gelingen, dass immunstarke Partnertiere schnupfenfrei bleiben (Deeb 2004).
  • Sekundär kann aus einem Schnupfen eine Lungenentzündung oder - über die Eustachische Röhre, welche für einen Druckausgleich zwischen Mittelohr und Außenluft sorgt - eine Mittel-/Innenohrentzündung entstehen. 
  • Auch Fremdkörper im Nasenraum oder Zahnwurzelerkrankungen können typische Schnupfensymptome verursachen.

(Rühle 2022/85)



ENDOPARASITEN - PROTOZOEN


Encephalitozoonose


Die Krankheit Encephalitozoonose wird durch den parasitären Erreger Encephalitozoon (E.) cuniculi hervorgerufen. Dessen Sporen werden mit dem Urin ausgeschieden. Als Hauptübertragungsweg wird daher die orale Aufnahme von kontaminiertem Futter angesehen; mögliche weitere Übertragungswege sind via Nase oder Augen (Markierverhalten von Kaninchen), Plazenta (intra-auterin), infizierte Mäuse und Ratten, die auf gelagerte Futtermittel urinieren oder potentiell auch Zecken.
Als Symptome sind neurologische Störungen (z.B. Kopfschiefhaltung, Koordinationsstörungen, Lähmungen, Krampfanfälle), Augenentzündungen (Linsentrübung) oder ein krankhafter Befall des Harnsystems bekannt.
Eine Infektion mit E. cuniculi muss jedoch nicht zwangsläufig zum Ausbruch der Erkrankung führen. In der Regel kann ein geringer Befall von einem funktionierenden Immunsystem gut kontrolliert werden, und erst zusätzliche Belastungen ermöglichen die übermäßige Vermehrung des Parasiten, die dann zu einer Erkrankung führt.

Als Hauptfaktor dafür, dass eine Infektion mit E. cuniculi zum Ausbruch der Erkrankung Encephalitozoonose führt, gilt Stress:

  • umweltbedingt (z.B. schlechte Hygiene, Zugluft, Transporte, Disharmonie oder Veränderungen in der Gruppe),  
  • pathologisch (eine zusätzliche Krankheit) oder 
  • metabolisch (Nährstoffmangel, z.B. von essentiellen Aminosäuren oder omega-3-Fettsäuren).

Vorbeugende Maßnahmen: die o.g. Stressoren möglichst vermeiden; Nahrung in Raufen, bzw. nicht auf dem Boden anbieten (optional wechselnde Futterplätze im Gartenfreilauf); Nahrung geschützt vor Nagetieren lagern.

(Rühle 2021/71)

Siehe auch https://www.synlab.de/vet/informationen/informationen-fuer-ihre-tierhalter/enzephalitozoonose-beim-kaninchen.

EC kann nur durch Ausschlussdiagnose festgestellt werden: bei einem negativen Antikörpertiter kann EC als Ursache einer klinischen Erkrankung ausgeschlossen werden; ein positiver Titer bedeutet aber nicht, dass EC zwingend ursächlich ist.


Kokzidiose


Kokzidiose wird durch parasitäre Erreger der Gattung Eimeria ausgelöst. Je nach Eimeria-Art und befallenem Organ wird zwischen Leberkokzidiose und Darmkokzidiose unterschieden. Viele Hauskaninchen sind Träger der Darmkokzidiose-Erreger - Kokzidiose wird aber vermutlich erst dann zu einer bedrohlichen Erkrankung, wenn gleichzeitig pathogene Coli-Bakterien im Darm vorhanden sind. Durch Zählen der Erreger im Kot mittels Mikroskop kann der Grad des Befalls bestimmt werden. Allerdings bleibt dabei die Eimeria-Art unberücksichtigt, und aufgrund der unterschiedlichen Pathogenität der Arten ist kein zuverlässiger Rückschluss auf eine mögliche Erkrankung möglich. Die Symptome sind unspezifisch und können von Symptomen von Sekundärerkrankungen überlagert werden. Besonders junge Kaninchen im Alter von etwa drei bis zehn Wochen sind gefährdet.

Vorbeugende Maßnahmen: Stressoren vermeiden; Hygiene; Nahrung in Raufen anbieten.

Eine akute Kokzidiose sollte tierärztlich behandelt werden. Oregano, Thymian, Schafgarbe, Brennnessel, Löwenzahn, Kamille, Salbei, Knoblauch, Weißer Senf, Schöllkraut, Haferflocken, Leinsamen, Eichenzweige, Brombeerranken, Weidenblätter, Heidelbeerpflanzen und andere (Wiesenpflanzen) können den Heilprozess unterstützen.

Zur Desinfektion der Haltungseinrichtung nach einem Befall sind Desinfektionsmittel mit Wirksamkeit gegen parasitäre Einzeller geeignet (DVG-Desinfektionsmittelliste).

(Rühle 2021/68)



ENDOPARASITEN - HELMINTHEN


Plattwürmer und Schlauchwürmer


Eine Infektion mit Magen-/Darmwürmern kann z.B. bei der Futteraufnahme (insbesondere über frisches Wiesenfutter, aber auch über Alternativen wie Gemüse oder Heu), bei der Fellpflege oder beim Schlucken von Blinddarmkot erfolgen. Auch ein Einschleppen aus der Natur über Schuhe und Kleidung kann eine Rolle spielen. 

Die Wurmbelastung kann mit individuellen (z.B. Alter, Nahrung, Genetik, Geschlecht, Gewicht, Immunstatus*) oder umweltbedingten (z.B. Gruppengröße und -dichte, Klima) Faktoren variieren. 
*: Schnupfenerreger können eine Infektion mit Würmern begünstigen; bzw. eine Infektion mit Würmern kann zur Aufrechterhaltung einer Schnupfeninfektion beitragen (Pathak et al. 2012).  

Ein Befall mit Würmern stellt an sich keinen zwingend pathologischen Befund dar; ihre Bedeutung für ein normal reagierendes Immunsystem wurde bereits beschrieben (Verhinderung von Hyperreaktivität; Brendiek-Worm & Melzig 2021). Mit einem intaktem Immunsystem kann ein Wurmbefall vom Kaninchen selbst kontrolliert werden. 

Ein häufiges Entwurmen ohne nachgewiesene Notwendigkeit fördert unnötige Resistenzen der Würmer. Pflanzenalternativen mit antihelminthischer Wirkung (Vorbeugung oder Unterstützung der Heilung) ohne Bildung von Resistenzen sind z.B. Knoblauch, Beifuß, Wermutkraut, Eberraute, Gewöhnlicher Feldrittersporn, Wurmfarn, Gemeine Esche, Tüpfelfarn, Adlerfarn, Weinraute, Echter Salbei, Schwarzer Holunder, Rainfarn, Echter Thymian oder Ingwer.

(Rühle 2022/83)



Ektoparasiten 

  • Milben (Ohrräude-Milben oder Pelzmilben) 
  • Flöhe
  • Haarlinge
  • Fliegen (Fliegenmadenbefall)
  • Zecken 

Typische Erscheinungsbilder von Milben, Flöhen oder Haarlingen sind Haarausfall, krustenartige Hautveränderungen oder Schuppenbildung. (Auch ein Mangel an bestimmten Nahrungsstoffen kann zu derartigen Symptomen führen.)

Die richtige Ernährung und angemessene Haltungsbedingungen bilden die Basis für ein starkes Immunsystem.

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