INFEKTIONS-KRANKHEITEN

BAKTERIEN UND VIREN


Myxomatose, Hämorrhagische Krankheit und Tularämie


Die folgenden Verweise bieten Informationen zu den hochansteckenden Viruserkrankungen Myxomatose (Kaninchenseuche; Erreger: Myxoma-Virus) und Hämorrhagische Krankheit (RHD, Rabbit hemorrhagic disease; Erreger: RHDV-1, RHDV-2), bzw. der bakteriellen Erkrankung Tularämie (Hasenpest; Erreger: Francisella tularensis).

Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES):


    World Organisation for Animal Health (WOAH):

    •  ↗RHD (Terrestrial Manual).


    Gegen Myxomatose und RHD I/II sind vorbeugende Impfstoffe verfügbar. Die Impfungen müssen für einen andauernden Schutz regelmäßig aufgefrischt werden. (Siehe dazu die Impfempfehlungen der StIKo Vet des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) (Kleintierleitlinie zum Download.)
    Bei einem starken Befall mit Darmparasiten (Kokzidien, Würmer; s.u.) kann die Wirkung der Impfung beeinträchtigt sein, weshalb ggf. vor einer Auffrischungsimpfung das Testen einer Sammelkotprobe und, bei Bedarf, eine Behandlung sinnvoll sein kann. 


    Eine Übersicht über bestätigte oder mögliche Vorkommen von Myxomatose und RHD I/II bietet die folgende Karte. In Österreich besteht keine Anzeigepflicht - die tatsächliche Ausbreitung kann also abweichen.

    (Möglichkeit zum Filtern, z.B. nach Jahr: Button oben links)

    Ein Eintrag in die Seuchenkarte ist über den folgenden Link möglich 


    Passiver Schutz vor RHD durch Muttermilch

    Di Giovanni et al. (2024) fanden Hinweise darauf, dass junge Kaninchen, deren Mutter gegen RHD 1/II geimpft wurde, nicht nur während derer Trächtigkeit (bei aufrechtem Impfstatus der Mutter), sondern auch darüber hinaus über die Muttermilch von einem passiven Schutz, insbesondere der Schleimhäute, profitieren.



    Im Gegensatz ist Tularämie in Österreich gemäß Epidemiegesetz 1950 bei Verdacht, Erkrankung und Tod anzeigepflichtig (Statistik siehe AGES-Website), und es gibt keine Impfung.




    Schnupfen/ Erkrankung der oberen Atemwege

    www.wikikanin.de/schnupfen 

    Bereits bei ersten Anzeichen vermehrter Schleimbildung kann das Zufüttern eines Schleimlösers Abhilfe schaffen (z.B. Bromhexin/ Bisolvon®-Pulver - über einen Tierarzt zu beziehen - oder Acetylcystein/ ACC-Hustensaft).

    Antibiotikum der ersten Wahl ist Enrofloxacin (z. B. Baytril®). Optional können per Nasenspülprobe beteiligte Erreger identifiziert werden - allerdings gelten viele der kultivierbaren Bakterien als kommensal (im gesunden Tier neutral), und so ist eine genaue Bestimmung der für die Erkrankung ursächlichen Pathogene nicht immer möglich. Darüber hinaus sind speziell für Kaninchen kaum alternative Antibiotika zugelassen.
    Beim Einsatz von Antibiotika sollten immer auch ihre potentiellen Risiken (Resistenzbildung, negativer Einfluss auf das Darmmikrobiom) berücksichtigt werden. 



    ENDOPARASITEN - PROTOZOEN


    Encephalitozoonose

    ↗️www.wikikanin.de/encephalitozoonose

    ↗️Alles Enzephalitozoonose – oder gibt es da noch mehr?  
    Hein, J. (2015). Alles Enzephalitozoonose–oder gibt es da noch mehr?. kleintier konkret, 18(S 02), 37-41.

    ↗️Kopfschiefhaltung – Encephalitozoonose? Welche Diagnostikmöglichkeiten gibt es?
    Csokai, J. (2015). Kopfschiefhaltung–Encephalitozoonose? Welche Diagnostikmöglichkeiten gibt es?. veterinär spiegel, 25(02), 72-75.

    ↗️Enzephalitozoonose bei Kaninchen – Diagnostische Aussagekraft von IgM- und IgG-Titerhöhe und -Verlauf
    (Kern,
    Spiegel, Heß, Wieler, Reese, Hein; 2022. Poster. Augsburger Thementage Kleinsäuger der DGK-DVG.)


    24.01.2026 - Virtuelle Konferenz (Aufzeichnung verfügbar bis 01/2027):
    ↗️ECUN 360 – Virtual Conference on E. cuniculi Infection in Rabbits

     



    Kokzidiose

    European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP):


    Zur Desinfektion der Haltungseinrichtung nach einem Befall sind Desinfektionsmittel mit Wirksamkeit gegen parasitäre Einzeller geeignet (DVG-Desinfektionsmittelliste der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG)).



    ENDOPARASITEN - HELMINTHEN


    Plattwürmer und Schlauchwürmer


    Eine Infektion mit Magen-/ Darmwürmern kann z.B. bei der Futteraufnahme (insbesondere über frisches Wiesenfutter, aber auch über Alternativen wie Gemüse oder Heu), bei der Fellpflege oder beim Schlucken von Blinddarmkot erfolgen. Auch ein Einschleppen aus der Natur über Schuhe und Kleidung kann eine Rolle spielen. 

    Die Wurmbelastung kann mit individuellen (z.B. Alter, Nahrung, Genetik, Geschlecht, Gewicht, Immunstatus*) oder umweltbedingten (z.B. Gruppengröße und -dichte, Klima) Faktoren variieren. 
    *: Schnupfenerreger können eine Infektion mit Würmern begünstigen; bzw. eine Infektion mit Würmern kann zur Aufrechterhaltung einer Schnupfeninfektion beitragen (Pathak et al. 2012).  

    Ein Befall mit Würmern stellt an sich keinen zwingend pathologischen Befund dar; ihre Bedeutung für ein normal reagierendes Immunsystem wurde bereits beschrieben (Verhinderung von Hyperreaktivität; Brendiek-Worm & Melzig 2021). Mit einem intaktem Immunsystem kann ein Wurmbefall vom Kaninchen selbst kontrolliert werden. 

    Ein häufiges Entwurmen ohne nachgewiesene Notwendigkeit fördert unnötige Resistenzen der Würmer. Pflanzenalternativen mit antihelminthischer Wirkung (Vorbeugung oder Unterstützung der Heilung) ohne Bildung von Resistenzen sind z.B. Knoblauch, Beifuß, Wermutkraut, Eberraute, Gewöhnlicher Feldrittersporn, Wurmfarn, Gemeine Esche, Tüpfelfarn, Adlerfarn, Weinraute, Echter Salbei, Schwarzer Holunder, Rainfarn, Weißer Gänsefuß, Echter Thymian oder Ingwer.

    (aus: Rühle 2022/83)



    EKTOPARASITEN 


    • Milben 
      Milben ernähren sich überwiegend von Hautschuppen, Haaren oder Gewebsflüssigkeit. 

       Haut-/Pelzmilben (Cheyletiella): verursachen kahle, schuppige Stellen im Genick und auf dem Rücken; vor allem im Zusammenhang mit Vitaminmangel oder geschwächtem Immunsystem. Behandlung mit Schwefelblüten (für maximal drei Tage!) und/ oder Antiparasitikum (Tierarzt).

       Räudemilben (Sarcoptes): verursachen juckende Hauterkrankungen, breiten sich z.B. ausgehend von den Lippen und der Nase in Richtung Genick aus; Haarausfall, Krustenbildung. 

      Ohrräudemilben (Psoroptes): befallen bevorzugt die Ohrmuscheln, bei alten, kranken oder gestressten Tieren auch den restlichen Körper; gelb-graue Schuppen im Ohr sind ein erstes Anzeichen. Ein Verdacht auf Räudemilben sollte tierärztlich abgeklärt werden! Unbehandelt kann eine Otits externa entstehen.

    (aus: Mayr 2023/5)

    Trockene Ställe können sparsam mit Kieselgur ausgestaubt werden, um sich dort befindliche Milben abzutöten (Mund-/Nasenschutz tragen).

    • Flöhe
    • Haarlinge
    • Fliegen (Fliegenmaden)
    • Zecken 

    Typische Erscheinungsbilder von Milben, Flöhen oder Haarlingen sind Haarausfall, krustenartige Hautveränderungen oder Schuppenbildung.

    Ergänzende Anmerkungen:
    Auch ein Mangel an bestimmten Nahrungsstoffen kann zu vergleichbaren Symptomen führen.
    Kahlstellen (Alopezie) ohne sichtbare Hautveränderung können weiters erblich, hormonell oder durch Traumata/ Stress bedingt sein. In solch einem Fall kann eine Biopsie zwar Informationen über die Art der Veränderung liefern, nicht zuverlässig jedoch über deren Ursache. Für eine Biopsie ist eine Narkose erforderlich.



    European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP):


    ALLGEMEIN 


    Aufzählung möglicher Krankheitssymptome: 

    www.wikikanin.de/krankheitssymptome

    Die richtige Ernährung und angemessene Haltungsbedingungen bilden die Basis für ein funktionierendes Immunsystem. 

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