INFEKTIONS-KRANKHEITEN

BAKTERIEN UND VIREN


Myxomatose, Hämorrhagische Krankheit und Tularämie


Die folgenden Verweise bieten Informationen zu den hochansteckenden Viruserkrankungen Myxomatose (Kaninchenseuche, Erreger: Myxoma-Virus) und Hämorrhagische Krankheit (RHD Rabbit hemorrhagic disease, Erreger: RHDV-1, RHDV-2), bzw. der bakteriellen Erkrankung Tularämie (Hasenpest, Erreger: Francisella tularensis).

Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES):


    Gegen Myxomatose und RHD I/II sind vorbeugende Impfstoffe verfügbar. Die Impfungen müssen für einen andauernden Schutz regelmäßig aufgefrischt werden. (Siehe dazu die Impfempfehlungen der StIKo Vet des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) (Kleintierleitlinie zum Download.)


    Eine Übersicht über bestätigte oder mögliche und an "Dieburger Kaninchen" gemeldete Vorkommen von Myxomatose und RHD I/II bietet die folgende Karte. Hinweis: In Österreich besteht keine Anzeigepflicht. Die tatsächliche Ausbreitung kann also abweichen.

    (Möglichkeit zum Filtern, z.B. nach Jahr: Button oben links)

    Ein Eintrag in die Seuchenkarte ist über den folgenden Link möglich 


    Im Gegensatz ist Tularämie in Österreich gemäß Epidemiegesetz 1950 bei Verdacht, Erkrankung und Tod anzeigepflichtig (Statistik siehe AGES-Website), und es gibt keine Impfung.




    Schnupfen/ Erkrankung der oberen Atemwege


    Bedingt durch Trockenheit, Staub (z.B. auch staubige Futtermittelbestandteile), Allergene oder Stress kann Niesen oder eine feuchte Nase gelegentlich vorkommen. Ist das Allgemeinbefinden ansonsten ungestört, so kann zunächst von einem "Allergischen Schnupfen" ausgegangen werden.

    Dauern dieses Symptome - auch verbunden z.B. mit Atemgeräuschen oder vermehrtem Putzen der Nase mit den Vorderpfoten und einem beeinträchtigten Allgemeinbefinden (z.B. Fressunlust, Abgeschlagenheit) - länger als ein bis zwei Tage an, so empfiehlt es sich, per Abstrich oder Spülprobe von einem Tierarzt zu klären, welche Erreger beteiligt sind. Meist handelt es sich bei "Ansteckendem Schnupfen" (Rhinitis) um eine Mischinfektion, an der vorherrschend Bakterien wie z.B. Pasteurella (P.) multocida, Bordetella (B.) bronchiseptica oder Staphylococcus (S.) aureus beteiligt sein können (u.a. Iorgini et al. 2023; Rosell et al. 2023). Aber auch verschiedene Viren kommen als primäre Erreger in Frage.

    Eine Ansteckung erfolgt über direkten Kontakt mit Nasensekret erkrankter Kaninchen und kann durch ein geschwächtes Immunsystem (z.B. durch Mangelernährung oder nach dem Winter; auch: Abstammung/Linie), Haltungsfehler (z.B. großer Tierbestand auf kleinem Raum, Zugluft, Staubbelastung, schlechte Hygiene) oder eine Änderung in der Haltung (z.B. Vergesellschaftungen, Transporte, Änderungen in der Unterbringung/Luftfeuchtigkeit) begünstigt werden.

    Vorbeugend oder unterstützend können z.B. Samen von Anis, Fenchel und Kümmel sowie Kresse, Liebstöckel, Thymian, Weidenrinde, Spitz- und Breitwegerich, Schafgarbe, Mädesüß, Oregano oder getrocknete Brennnessel angeboten werden.

    Achtung: Wird ein ansteckender Schnupfen nicht rechtzeitig behandelt, wird er chronisch! (Bakterielle Exotoxine können die Nasenschleimhaut und schließlich die Nasenmuschelknochen irreversibel zerstören (Wilson & Ho 2013; DiGiacomo et al. 1991).) Bereits bei ersten Anzeichen vermehrter Schleimbildung kann das Zufüttern eines Schleimlösers Abhilfe schaffen (z.B. Bisolvon®-Pulver - über einen Tierarzt zu beziehen). 

    Auch gut zu wissen:

    • Bei einem gut kontrollierten chronischen Schnupfen kann es gelingen, dass immunstarke Partnertiere schnupfenfrei bleiben (Deeb 2004).
    • Sekundär kann aus einem Schnupfen eine Lungenentzündung oder - über die Eustachische Röhre, welche für einen Druckausgleich zwischen Mittelohr und Außenluft sorgt - eine Mittel-/Innenohrentzündung entstehen. 
    • Auch Fremdkörper im Nasenraum oder Zahnwurzelerkrankungen können typische Schnupfensymptome verursachen.
    • Eine feuchte Nase kann auch beobachtet werden, wenn die Luftfeuchtigkeit in der Umgebung der Kaninchen sehr niedrig ist. In den Schleimhäuten der Nase wird dann vermehrt Flüssigkeit produziert, um ihr Austrocknen zu verhindern.

    (aus: Rühle 2022/85; siehe auch: Hintze 2023/7 in Kleine Heimtiere #3 - PDF Download)


    Mehr zum Thema:

    https://www.wikikanin.de/schnupfen 




    ENDOPARASITEN - PROTOZOEN


    Encephalitozoonose


    Die Krankheit Encephalitozoonose wird durch den parasitären Erreger Encephalitozoon (E.) cuniculi hervorgerufen. Dessen Sporen werden mit dem Urin infizierter Tiere ausgeschieden. Als Hauptübertragungsweg wird daher die orale Aufnahme von kontaminiertem Futter angesehen; mögliche weitere Übertragungswege sind via Nase oder Augen (Markierverhalten von Kaninchen), Plazenta (intra-auterin), infizierte Mäuse und Ratten, die auf gelagerte Futtermittel urinieren oder potentiell auch Zecken.
    Als Symptome sind neurologische Störungen (z.B. Kopfschiefhaltung, Koordinationsstörungen, Lähmungen, Krampfanfälle), Augenentzündungen (Linsentrübung) oder ein krankhafter Befall des Harnsystems bekannt.
    Eine Infektion mit E. cuniculi muss jedoch nicht zwangsläufig zum Ausbruch der Erkrankung führen (de Matos 2015). In der Regel kann ein geringer Befall von einem funktionierenden Immunsystem gut kontrolliert werden, und erst zusätzliche Belastungen ermöglichen die übermäßige Vermehrung des Parasiten, die dann zu einer Erkrankung führt.

    Als Hauptfaktor dafür, dass eine Infektion mit E. cuniculi zum Ausbruch der Erkrankung Encephalitozoonose führt, gilt Stress:

    • umweltbedingt (z.B. schlechte Hygiene, Zugluft, Transporte, Disharmonie oder Veränderungen in der Gruppe),  
    • pathologisch (eine zusätzliche Krankheit) oder 
    • metabolisch (Nährstoffmangel, z.B. von essentiellen Aminosäuren oder omega-3-Fettsäuren).

    Vorbeugende Maßnahmen: die o.g. Stressoren möglichst vermeiden; Nahrung in Raufen, bzw. nicht auf dem Boden anbieten (optional wechselnde Futterplätze im Gartenfreilauf); Nahrung geschützt vor Nagetieren lagern.

    Weil die typischen Symptome nicht spezifisch sind, kann EC beim lebenden Kaninchen nur durch Ausschlussdiagnose festgestellt werden: bei einem negativen Antikörpertiter kann EC als Ursache einer klinischen Erkrankung ausgeschlossen werden; ein positiver Titer bedeutet aber nicht, dass EC zwingend ursächlich ist. Vergleichbare neurologische Symptome können z.B. bei einer Ohrenentzündung (!) auftreten, weshalb zusätzliche bildgebende Diagnostik sinnvoll sein kann. So schlagen Liatis et al. (2024) als Basis-Untersuchungen bei einer Kopfschiefhaltung EC-Serologie und CT des Kopfes vor. Sie weisen außerdem darauf hin, dass eine Kopfschiefhaltung, einmal aufgetreten, in vielen Fällen nicht mehr vollständig geheilt werden kann.
    Eine zuverlässige Diagnose von Encephalitozoonose ist am ehesten erst post mortem möglich (histopathologisch oder molekulargenetisch; Gehirn, Nieren) (Keeble 2011, zitiert nach Liatis et al. 2024).

    (aus: Rühle 2021/71; siehe auch: Sieg 2014; Doboși et al. 2022; Hintze 2023/7 in Kleine Heimtiere #3 - PDF Download


    Zuchttierbestände nachweislich EC-frei zu halten, ist extrem zeit- und kostenintensiv - das serologische Testen jedes Neuzugangs UND periodisch des Bestands wären Grundvoraussetzung.

    Siehe auch Enzephalitozoonose beim Kaninchen (Synlab).

    Mittlerweile ist auch ein Schnelltest verfügbar: FASTest® ENCEPH - allerdings besteht wohl ein gewisses Risiko für falsch-negative Ergebnisse.

    Encephalitozoonose ist eine potentielle Zoonose, d.h. der Parasit kann gefährlich für Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem werden.




    Kokzidiose


    Kokzidiose wird durch parasitäre Erreger der Gattung Eimeria ausgelöst. Je nach Eimeria-Art und befallenem Organ wird zwischen Leberkokzidiose und Darmkokzidiose unterschieden. Viele Hauskaninchen sind Träger der Darmkokzidiose-Erreger - Kokzidiose wird aber vermutlich erst dann zu einer bedrohlichen Erkrankung, wenn gleichzeitig pathogene Coli-Bakterien im Darm vorhanden sind. Durch Zählen der Erreger im Kot mittels Mikroskop kann der Grad des Befalls bestimmt werden. Allerdings bleibt dabei die Eimeria-Art unberücksichtigt, und aufgrund der unterschiedlichen Pathogenität der Arten ist kein zuverlässiger Rückschluss auf eine mögliche Erkrankung möglich. Die Symptome sind unspezifisch und können von Symptomen von Sekundärerkrankungen überlagert werden. Besonders junge Kaninchen im Alter von etwa drei bis zehn Wochen sind gefährdet.

    Vorbeugende Maßnahmen: Stressoren vermeiden; Hygiene; Nahrung in Raufen anbieten.

    Eine akute Kokzidiose sollte tierärztlich behandelt werden. Oregano, Thymian, Schafgarbe, Brennnessel, Löwenzahn, Kamille, Salbei, Knoblauch, Weißer Senf, Schöllkraut, Haferflocken, Leinsamen, Eichenzweige, Brombeerranken, Weidenblätter, Heidelbeerpflanzen und andere (natürliche Wiesenpflanzen) können den Heilprozess unterstützen.

    Zur Desinfektion der Haltungseinrichtung nach einem Befall sind Desinfektionsmittel mit Wirksamkeit gegen parasitäre Einzeller geeignet (DVG-Desinfektionsmittelliste der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG)).

    (aus: Rühle 2021/68; siehe auch Übersicht in Lohkamp et al. 2024)


    Achtung: Mit Oregano-Öl (Carvacrol, Thymol) supplementierte Pellets sind wohl nicht wirksam gegen Eimerien; ebenso haben sich teils bereits Resistenzen gegenüber den beiden für Kaninchen zugelassenen Antikokzidia Diclazuril und Robenidin etabliert - das Verfüttern derart supplementierter Futtermittel ist demnach als vorbeugende Maßnahme zum Schutz von Jungtieren nicht unbedingt geeignet (Lohkamp et al. 2024; siehe dazu auch Szaboova et al. 2013; Nosal et al. 2014). Im Übrigen wird die EU-Zulassung von Robenidin als Zusatzstoff für Kaninchenfutter nicht verlängert - ab Mitte des Jahres 2024 sind keine Futtermittel mit Robenidin mehr erhältlich.


    Mehr zum Thema:

    https://www.wikikanin.de/kokzidiose 

    European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP):



    ENDOPARASITEN - HELMINTHEN


    Plattwürmer und Schlauchwürmer


    Eine Infektion mit Magen-/Darmwürmern kann z.B. bei der Futteraufnahme (insbesondere über frisches Wiesenfutter, aber auch über Alternativen wie Gemüse oder Heu), bei der Fellpflege oder beim Schlucken von Blinddarmkot erfolgen. Auch ein Einschleppen aus der Natur über Schuhe und Kleidung kann eine Rolle spielen. 

    Die Wurmbelastung kann mit individuellen (z.B. Alter, Nahrung, Genetik, Geschlecht, Gewicht, Immunstatus*) oder umweltbedingten (z.B. Gruppengröße und -dichte, Klima) Faktoren variieren. 
    *: Schnupfenerreger können eine Infektion mit Würmern begünstigen; bzw. eine Infektion mit Würmern kann zur Aufrechterhaltung einer Schnupfeninfektion beitragen (Pathak et al. 2012).  

    Ein Befall mit Würmern stellt an sich keinen zwingend pathologischen Befund dar; ihre Bedeutung für ein normal reagierendes Immunsystem wurde bereits beschrieben (Verhinderung von Hyperreaktivität; Brendiek-Worm & Melzig 2021). Mit einem intaktem Immunsystem kann ein Wurmbefall vom Kaninchen selbst kontrolliert werden. 

    Ein häufiges Entwurmen ohne nachgewiesene Notwendigkeit fördert unnötige Resistenzen der Würmer. Pflanzenalternativen mit antihelminthischer Wirkung (Vorbeugung oder Unterstützung der Heilung) ohne Bildung von Resistenzen sind z.B. Knoblauch, Beifuß, Wermutkraut, Eberraute, Gewöhnlicher Feldrittersporn, Wurmfarn, Gemeine Esche, Tüpfelfarn, Adlerfarn, Weinraute, Echter Salbei, Schwarzer Holunder, Rainfarn, Weißer Gänsefuß, Echter Thymian oder Ingwer.

    (aus: Rühle 2022/83)



    EKTOPARASITEN 


    • Milben 
      Milben ernähren sich überwiegend von Hautschuppen, Haaren oder Gewebsflüssigkeit. 

       Haut-/Pelzmilben (Cheyletiella): verursachen kahle, schuppige Stellen im Genick und auf dem Rücken; vor allem im Zusammenhang mit Vitaminmangel oder geschwächtem Immunsystem. Behandlung mit Schwefelblüten (für maximal drei Tage!) und/ oder Antiparasitikum (Tierarzt).

       Räudemilben (Sarcoptes): verursachen juckende Hauterkrankungen, breiten sich z.B. ausgehend von den Lippen und der Nase in Richtung Genick aus; Haarausfall, Krustenbildung. 

      Ohrräudemilben (Psoroptes): befallen bevorzugt die Ohrmuscheln, bei alten, kranken oder gestressten Tieren auch den restlichen Körper; gelb-graue Schuppen im Ohr sind ein erstes Anzeichen. Ein Verdacht auf Räudemilben sollte tierärztlich abgeklärt werden! Unbehandelt kann eine Otits externa entstehen.

    (aus: Mayr 2023/5)

    Trockene Ställe können sparsam mit Kieselgur ausgestaubt werden, um sich dort befindliche Milben abzutöten (Mund-/Nasenschutz tragen).

    • Flöhe
    • Haarlinge
    • Fliegen (Fliegenmaden)
    • Zecken 

    Typische Erscheinungsbilder von Milben, Flöhen oder Haarlingen sind Haarausfall, krustenartige Hautveränderungen oder Schuppenbildung.

    Ergänzende Anmerkungen:
     Auch ein Mangel an bestimmten Nahrungsstoffen kann zu vergleichbaren Symptomen führen.
     Kahlstellen (Alopezie) ohne sichtbare Hautveränderung können weiters erblich, hormonell oder durch Traumata/ Stress bedingt sein. In solch einem Fall kann eine Biopsie zwar Informationen über die Art der Veränderung liefern, nicht zuverlässig jedoch über deren Ursache. Für eine Biopsie ist eine Narkose erforderlich.



    Mehr zum Thema:

    European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP):

    Die richtige Ernährung und angemessene Haltungsbedingungen bilden die Basis für ein starkes Immunsystem. 

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