Paarung und Geburt


Eine ausführliche Übersicht zur Paarung und Geburt bei Kaninchen bietet z.B. "Auheimer Kaninchenfarm":
https://auheimer-kaninchenfarm.jimdofree.com/wissenswertes/aufzucht/;


Auswahl der Elterntiere

Reinzucht

Als Reinzucht gilt die Zucht innerhalb einer Rasse, bzw. eines Farbenschlags der Rasse. Gelegentlich können zur Verbesserung bestimmter Merkmale Vertreter anderer Rassen oder Farben eingekreuzt werden - eine sorgfältige Dokumentation und Transparenz vorausgesetzt.
 

Linienzucht

Bei einer Linienzucht (Inzucht) sind die Zuchttiere miteinander verwandt, mit dem Ziel, bestimmte Merkmale zu festigen: 

  • enge Inzucht, "Inzestzucht": Verpaarung von Vater mit Tochter, Sohn mit Mutter oder Bruder mit Schwester (Fx > 25%)
  • mäßige Inzucht: Verpaarung von Großvater mit Enkelin, Enkel mit Großmutter, Halbbruder mit Halbschwester, Onkel mit Nichte oder Neffe mit Tante (25% > Fx > 10%)
  • schwache Inzucht: Verpaarung von Cousine mit Cousin (Fx < 10%)
  • (Auszucht: Verpaarung von Tieren, die fünf bis sechs Generationen lang keine gemeinsamen Ahnen aufweisen; Fx < 3 %)

Fx: Theoretischer Inzuchtkoeffizient 

Je höher das Inzuchtniveau einer Rasse ist, desto höher ist ihre Reinerbigkeit (Homozygotie). Der große Nachteil ist, dass auch gleichzeitig viele andere Genorte homozygot werden. Folge sind Inzuchtdepressionen, die sich durch gesundheitliche Einbußen bemerkbar machen. Deshalb sollte eine enge Verwandtschaftszucht weitgehend vermieden werden. Um erfolgreich die Widerstandsfähigkeit einer Rasse zu erhalten und deren Fortbestand zu sichern, ist eine genetische Vielfalt innerhalb der Rasse wesentlich. Eine konsequente Zuchtbuchführung ist unerlässlich.  

(Rahr 2022/3)


Geburt

Trächtige Häsinnen beginnen ein bis zwei Tage vor der Geburt mit dem Bau des Nests. Dabei wird eine Wurfhöhle mit körpereigener Wolle oder den zur Verfügung stehenden Materialien (z.B. Heu, Laub) angereichert (Hoy 2009, zitiert nach Buhl 2017). Die Qualität dieser Materialien beeinflusst die spätere Entwicklung der Darmflora der Jungtiere, weshalb sich die Bereitstellung von hochwertigem Wiesenheu für den Bau des Nestes empfiehlt.

Das Risiko für unerwünschte Verhaltensweisen der Häsin, die zu perinataler Mortalität führen - z.B. unterlassener Nestbau, Ablegen der Jungtiere außerhalb des Nestes oder ein Anfressen der Jungtiere - kann durch das frühzeitige Anbieten eines abgedunkelten Bereichs (z.B. eine Wurfkiste) reduziert werden (Schlolaut & Rödel 2011).

Beispielhafte Maße für Wurfkisten nach Majaura (2016/3):
(L/B/H in cm) - Riesen (60/40/40) - Widder (50/35/35) - mittelgroße Kaninchen > 4 kg (45/35/35) - mittelgroße Kaninchen < 4 kg (40/32/30) - kleine Kaninchen (37/30/27) - Zwergwidder (33/25/22) - Farbenzwerge (30/25/20)

Aufnahmen aus einer Wurfbox: Die Geburt bei Kaninchen.


Milchleistung

Im Laufe der Säugezeit erreicht die tägliche Milchproduktion einer Häsin nach etwa drei Wochen ihren Höhepunkt. Danach, bzw. insbesondere nach dem 28. Laktationstag, nimmt die Milchleistung schnell ab (Hoy 2021/5).
Dennoch säugen Häsinnen ihre Jungen teils bis etwa zur 12. Lebenswoche, sofern sie nicht erneut trächtig sind und die Jungtiere nicht vorher abgesetzt wurden.

(siehe auch Erfahrungsbericht zum Säugeverhalten bei Riesenkaninchen: Renninghoff 2022/3)


Entwicklung der Jungtiere und postnatale Schäden

Allgemeines
Während der ersten beiden Wochen nach der Geburt sind Jungtiere besonders anfällig für eine Unterkühlung.    

Ab dem achten Lebenstag werden von den Jungtieren das von der Häsin zum Bau des Nestes verwendete Material (Heu) und die von ihr im Nest abgesetzten Hartkotballen, sowie ab dem 22. Lebenstag Blinddarmkot der Häsin aufgenommen, um den Aufbau der Darmflora zu ermöglichen (Hudson & Distel 1982 und Fortun-Lamothe & Gidenne 2006, zitiert nach Schlolaut & Rödel 2011). 

Hat die Häsin spätestens ab vier Wochen nach der Geburt die Möglichkeit, sich vor ihren Jungtieren zu entziehen, kann das Krankheitsrisiko sowohl für die Jungtiere als auch die Häsin reduziert werden (Übertragung von Erregern der Häsin auf die Jungtiere, Erkrankungen des Gesäuges; Schlolaut & Rödel 2011). 

Ab einem Alter von drei Wochen muss den Jungtieren ständiger Zugang zu Trinkwasser gewährt werden (Schlolaut & Rödel 2011).

Augen
Bei neugeborenen Jungtieren sind die Augenlider bis zum zehnten Lebenstag geschlossen. Bei verspäteter Öffnung erhöht sich das Risiko für Infektionen der Bindehaut und der äußeren Hornhautschicht. Mögliche Ursache: Eindringen von Staub (inklusive Bakterien) in die noch geschlossene Lidspalte, Reizung des Augengewebes, Sekretion von Schleim und Tränenflüssigkeit, welche schließlich austrocknen und die Lider verkleben. Sind die Augen bis zum 14. Lebenstag noch nicht selbständig geöffnet worden, sollten mögliche Verklebungen vom Züchter vorsichtig gelöst werden.

Entzündung der Nabelöffnung/ Nabelbruch
(siehe van Praag 2020/11)

Milchdrüsenentzündung (Mastitis) der Häsin
(siehe van Praag 2021/1) 

Geschlechtsreife

Bei weiblichen Jungtieren findet die Pubertät in einem Alter von ca. drei bis vier Monaten statt; bei männlichen Jungtieren wird die Pubertät mit ca. fünf bis sechs Monaten erreicht, wobei erste Spermien bereits nach etwa 110 Lebenstagen produziert werden (Betreff: Mastkaninchen; Fontanesi 2021b).
Achtung: Die individuelle Sexualentwicklung kann bedingt durch verschiedenste Einflussfaktoren abweichen.


Mögliche Ursachen von Unfruchtbarkeit bei männlichen Kaninchen 

  • Mangelernährung (Vitamine, Mineralstoffe) 
  • Bewegungsmangel/ Übergewicht
  • (überstandene) Myxomatose 
  • Infektion des Hodens oder der Nebenhoden durch Bakterien oder Pilze
  • (symptomlose) Syphilis
  • angeborener Spaltpenis (Hypospadie): seitliche Öffnung der Harnröhre; betroffene Rammler können zwar über eine reduzierte Fruchtbarkeit verfügen - weil eine Unterscheidung zwischen sporadischem (umweltbedingtem) oder vererbtem Auftreten aber kaum möglich ist, sollten sie nicht zur Zucht eingesetzt werden
  • angeborene Krümmung des Penis (rezessiver Erbgang, daher ungeeignet zur Zucht)
  • angeborener oder erworbener Hodenbruch
  • Blasensteine

 (van Praag 2018/7 und 2018/10)


Gruppenhaltung von Zuchthäsinnen

Häsinnen in einer Gruppe mit gefestigter Rangfolge sind in der Regel weniger stressanfällig als in Einzelhaltung. Allerdings kann eine Gruppenhaltung insbesondere für Zuchthäsinnen mit einer niedrigen Rangposition und der damit verbundenen vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen eine verminderte Fruchtbarkeit, eine höhere intrauterine Sterblichkeit oder eine verringerte Milchproduktion bedingen (Buhl 2017). 

(siehe auch Erfahrungsbericht Schmitt 2022/5)


Zuchthäsinnen in der Zuchtruhe

Werden gleichzeitig mehrere Häsinnen in eine bereits bestehende Gruppe integriert, so verteilen sich Rangordnungskämpfe, anstatt dass sie auf ein Tier konzentriert sind (Erfahrungsbericht Werner 2018/5).  



Auch gut zu wissen:

  • Weibliche Kaninchen verfügen über zwei voneinander getrennte Gebärmütterhörner, die prinzipiell eine (zeitversetzte) Doppelträchtigkeit erlauben (Superfetation; Huber 2018/6). 
  • "Bei Stress des Muttertieres kann es vermehrt zur Vernachlässigung des Wurfes bis hin zum Auffressen der Jungtiere kommen. Häsinnen in gut strukturierten Haltungssystemen sind weniger stressanfällig." (Hoy 2009, bzw. Hansen & Berthelsen 2000, zitiert nach Buhl 2017)
  • Eine Ammenaufzucht kann unter dem Beisein eigener Jungen eher gelingen als ohne dies (siehe Schmitt 2017/1).
Erstellen Sie Ihre Webseite gratis!