ZAHN-GESUNDHEIT


Die Zähne von Kaninchen wachsen lebenslang (elodent) - mal mehr, mal weniger schnell. Deshalb muss ihre Nahrung besonders viel Calcium (Ca), aber auch Phosphor (P) und Magnesium (Mg) - in einem angemessenen Verhältnis zueinander - enthalten. Grüne, frische Wiesenpflanzen sind nachweislich am besten dafür geeignet, ein gesundes Knochen- bzw. Zahnwachstum zu fördern. Für den ständigen Neuaufbau der Zahnsubstanz leisten auch die folgenden Nahrungsbestandteile einen wesentlichen Beitrag: Vitamine (D, C, K, B), (omega-3-)Fettsäuren, Sekundäre Pflanzenstoffe (Isoflavone, Carotinoide), Spurenelemente (K, Zn), Sexualhormone, u.a. Dagegen kann z.B. ein hoher Anteil an einfachen Kohlenhydraten in der Nahrung (Obst, Gemüse) den pH-Wert im Maul in den sauren Bereich verschieben, was sich möglicherweise negativ auf die Zahngesundheit auswirkt.

Zähne von gesunden Kaninchen wachsen immer dann, wenn sie abgenutzt werden, wohingegen das Zahnwachstum bei Gegendruck des gegenüberliegenden Kiefers auf das Zahnbildungsgewebe begrenzt wird. So stellt sich ein Gleichgewicht zwischen Abnutzung und Längenzunahme ein (Schlolaut 2021/8).
Eine gegenseitige mechanische Abnutzung der Zähne ist gegeben, wenn entsprechend lange gekaut wird, so wie es bei den faserigen Blättern und Stängeln arttypischer Nahrung der Fall ist ("Mümmeln"). Dabei spielen die Qualität der Rohfaser und der Wassergehalt der Nahrung eine große Rolle: je mehr mahlende Kaubewegungen notwendig sind, umso höher der Zahnabrieb. Auch der Einfluss abrasiver Nahrungsbestandteile sorgt für einen Abrieb der Zähne. Hier spielen vor allem Silikate in Form von pflanzlicher Kieselsäure oder aus anhaftender, sandiger Erde eine wesentliche Rolle (Böhmer & Böhmer 2017). Kieselsäure dient den Pflanzen der Gewebestabilisierung und kommt in größerer Menge z.B. in Gräsern, Schachtelhalm oder Labkraut vor. 

Insbesondere während der Zeit der Umstellung von Jungtieren auf feste Nahrung ist deren Zahnapparat noch leicht verformbar. Eine naturnahe, abrasive Ernährung fördert seitliche Kaubewegungen, vermeidet axiale Belastung und unterstützt damit wiederum eine gesunde Entwicklung des Gebisses (Böhmer & Böhmer 2017).


Mögliche Ursachen für ein "retrogrades Zahnwachstum" (Eindringen von Zahnwurzelspitzen in den Kiefer)

  • Verletzungen

Beeinträchtigung des Zahn- und Kieferwachstums, bzw. den Erhalt einer gesunden Kiefersubstanz durch:

  • unzureichenden Zugang zu natürlichem Sonnenlicht
  • einen Mangel an Nährstoffen in der Nahrung (Insbesondere bei einer Mangelernährung von Jungtieren können irreversible Schäden entstehen.)
  • eine Kastration, wodurch der positive Einfluss der Sexualhormone auf den Knochenstoffwechsel nicht mehr gegeben ist 

In diesem Zusammenhang kann eine übermäßig hohe und lange Belastung von Zähnen und Kiefer durch trockene Futtermittel als Hauptfutter (insbesondere Heu) die Problematik verstärken.

Zahn-Fehlstellungen bei normal entwickelten Kieferknochen sind in der Regel erworben (Rühle 2017).


Kaninchen mit gesundem Gebiss mahlen ihre Zähne manchmal auch während Ruhephasen ("Zähneknirschen"). Dieses Verhalten kann dazu beitragen, die physiologische Länge und Form der Zähne zu erhalten. Kaninchen mit einer schmerzhaften Malokklusion vermeiden dagegen diese speziellen Kieferbewegungen eher, mit übermäßigem Zahnwachstum als mögliche Folge (Böhmer & Böhmer 2017).


Bedarfswerte für Calcium und Phosphor 

Übliche Gehalte in kommerziellen Futtermitteln: 
Ca: 5-10 g/kg TS // P: 5-8 g/kg TS   TS: Trockensubstanz 

Daraus ergibt sich theoretisch ein Ca/P Verhältnis von 0,6 bis 2,0, wobei von den jeweiligen Futtermittelherstellern ein Verhältnis von 1,5 bis 2,0 propagiert wird. Im Wesentlichen stammen diese Empfehlungen aus der Mastindustrie unter Betrachtung pelletierter, getreidehaltiger Futtermittel - mit Fokus auf Wirtschaftlichkeit.

Basierend auf ermittelten Gehältern von Ca und P in ungedüngter, kräuterreicher Wiese, bzw. einzelnen arttypischen Futtermitteln, lautet dagegen eine auf das Tierwohl fokussierte Empfehlung für das Ca/P Verhältnis in etwa:

  • 1,5 <= Ca/P <= 6,0
    *: Blätter von Wiesenblumen und -kräutern liefern Qutienten im oberen Bereich, während Gräser eher im unteren Bereich liegen.

Dabei sollte der Mindestgehalt an Calcium 5 g/kg TS im Futter betragen (Richtwert: ca. 10 g/kg TS), und für eine gesunde Knochenentwicklung wäre ein Gehalt von 1 g/kg TS Phosphor ausreichend (de Blas und Wiseman 2010). Dieser niedrige Phosphor-Gehalt kann außerdem Verkalkungen in der Niere verhindern. 

Folglich sollten calciumarme (<5 g/kg TS), bzw. phosphorreiche Futtermittel nur eingeschränkt verfüttert werden - das sind z.B. Getreide, Frucht-, Wurzel- und Knollengemüse, Salat oder auch intensiv gedüngte Wiese. 

(Rühle 2019, Blog "Das Calcium-Geheimnis", https://kaninchenwuerdenwiesekaufen.blogspot.com/; Calcium & Phosphor, https://kaninchen-wuerden-wiese-kaufen.de/calcium_phosphor.htm)

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