ALTERNATIVE 
FUTTERMITTEL

HEU und anderes Trockengrün

Eine Ernährung von Hauskaninchen mit frischem Wiesenfutter als ständige Hauptnahrung bedeutet unter Umständen einen sehr großen Bedarf dessen, sowie einen entsprechenden Zeitaufwand. Insbesondere im Winter oder bei hohem Tierbestand (Jungtiere im Wachstum!) werden hier schnell Grenzen erreicht. Um dennoch den Bedürfnissen der Tiere gerecht zu werden, sollte ihnen stets hochwertiges Heu zur Verfügung stehen. Optional kann zusätzlich weiteres Strukturfutter (z.B. eine Mischung aus verschiedensten getrockneten Kräutern, Gräsern, Rinden und Wurzeln, sowie Saaten) angeboten werden. 

Beispiel für eine Trockengrün-Saaten-Mischung aus Wiesengräsern, Brennnessel, Leinflocken, Hafer, Himbeerblättern, Fenchelsaat, Löwenzahnwurzel, Mariendistelsamen, Hirse, Rosmarin, Oregano, u.a
Beispiel für eine Trockengrün-Saaten-Mischung aus Wiesengräsern, Brennnessel, Leinflocken, Hafer, Himbeerblättern, Fenchelsaat, Löwenzahnwurzel, Mariendistelsamen, Hirse, Rosmarin, Oregano, u.a

KLEINE HEUKUNDE

Heu enthält im Vergleich zu frischer Wiese in der Regel weniger Nährstoffe, Vitamine oder sekundäre Pflanzenstoffe. Der Rohfasergehalt ist aufgrund des fehlenden Wassers relativ hoch, was die Aufnahmezeiten verlängert - in diesem Zusammenhang zeigen Untersuchungen, dass beim Fressen von Heu sehr hohe Kaumuskel- und daraus folgend Kieferbelastungen zu verzeichnen sind (Rühle 2017). Gleichzeitig sorgt ein hoher Fasergehalt für eine schnelle Darmpassage, und damit verkürzt sich die Zeit, um Nährstoffe aus dem Nahrungsbrei zu ziehen. 

In dieser Kombination ist eine Deckung des täglichen Nährstoff- und Vitaminbedarfs mit einer überwiegenden Heufütterung nicht möglich. Problematisch kann auch der relativ hohe Mineralstoffgehalt (Ca, P, Mg) aufgrund des fehlenden Wassers werden. Ein sehr hoher Rohfaseranteil in der gesamten Nahrung - insbesondere ein Zuviel des holzigen, unverdaulichen Lignins - kann sogar die Darmschleimhaut von Kaninchen massiv schädigen (Rühle 2021, kn74; Chiou et al. 1994; Yu & Chiou 1996).

Ein klarer Vorteil von Heu ist seine leichte Beschaffbarkeit, es ist aber aus oben genannten Gründen kein gleichwertiger Ersatz für frisches Grünfutter. Dennoch stellt es mit einer vielfältigen Zusammensetzung eine sinnvolle Nahrungsergänzung dar.

Hochwertiges Heu wurde schonend getrocknet (möglichst wenig mechanische Belastung) und beinhaltet dadurch immer noch relativ viele blättrige Bestandteile und damit einen Rohfasergehalt, dessen Zusammensetzung jener von frischem Wiesengrün ähnlich ist.

Neben der Artenvielfalt, sowie den Standort- und Bodenverhältnissen haben auch der Zeitpunkt und die Anzahl der Schnitte Einfluss auf die Heuqualität. Der erste Schnitt enthält in der Regel viele schwer- und unverdauliche Fasern, weil das Grün sehr lange "auf dem Halm steht". Der zweite und die folgenden Schnitte dagegen erfolgen recht früh im Wachstum, so dass die Pflanzen bei der Mahd nicht sehr alt sind. Dieses Heu hat eine feine Struktur und ist reich an Blattmasse, außerdem enthält hier das frische Schnittgut einen hohen Gesamt-Carotingehalt. Beim ersten Schnitt kann allerdings der Gehalt an essentiellen omega-3-Fettsäuren deutlich höher sein als bei den Folgeschnitten. Deshalb eignet sich eine Mischung aus erstem und zweitem Schnitt besonders gut für Kaninchen.

Auch die Trockendauer und die Witterung (Feuchtigkeit, Lichtverhältnisse) während des Trocknens haben einen Einfluss auf die Heuqualität: sonnengetrocknetes Heu weißt teilweise einen hohen Gehalt an Vitamin D3 auf (Rühle 2017), während andere Vitamine oder auch sekundäre Pflanzenstoffe beim Trocknen im Schatten eher erhalten bleiben. Eine lange Trockenzeit unter ungünstiger Witterung kann Ursache für einen deutlichen Vitaminverlust (z.B. β-Carotin) sein.
Schließlich treten auch bei der nachfolgenden Lagerung von Heu Vitaminverluste auf, insbesondere von β -Carotin und Vitamin E. 

Um eine gute Qualität möglichst zu bewahren, sollte Heu lose sowie vor Nässe und Sonneneinstrahlung geschützt gelagert werden.

Frisches Wiesenfutter sollte immer zumindest einen Teil der Kaninchennahrung darstellen - ein Zuviel* an trockenem Futter oder Gemüse birgt ein Risiko für Erkrankungen des Verdauungssystems, der Knochen und Zähne oder für eine erhöhte Anfälligkeit für Harnsteine.
*: z.B. größere Mengen über einen langen Zeitraum

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