PERLFEH (69-Pf)

Historie
Die Rasse Perlfeh wurde Anfang des 20. Jahrhunderts mehrfach unabhängig voneinander herausgezüchtet. Ziel war ein Kaninchen, dessen Fellhaar dem des sibirischen Eichhörnchens ("Feh") möglichst ähnlich sein sollte. Bekannte deutsche Züchter waren z.B. Karl Hoffmann ("Düsseldorfer Perlfeh"), Karl Deininger ("Augsburger Fehkaninchen") oder auch Röhmeier ("Perlfeh", Norddeutschland). Ungefähr zeitgleich entstanden in der Schweiz die "Schweizer Feh" und in Frankreich/ Belgien die "Gris Perle de Hal", bzw. die "Petit Gris".
Als Ausgangstiere dienten wohl u.a. Belgische Riesen in wildgrau und blaugrau, Havannakaninchen, Blaue Wiener und Marburger Feh, sowie dunkelgraue und eisengraue Kaninchen; bevorzugt solche mit kurzem und dichtem Fellhaar.
Ab 1936 wurden in Deutschland alle perlfehfarbigen Kleinrassen unter der gemeinsamen Bezeichnung "Perlfeh" zusammen geführt.
Nach dem zweiten Weltkrieg existierten kaum noch Perlfeh-Zuchten in Deutschland, und die Rasse wurde hauptsächlich in Thüringen erneut herausgezüchtet. Im Jahr 1951 wurden Perlfeh erneut als Rasse anerkannt und 1956 erstmals auf einer deutschen Bundesschau ausgestellt. Ab den 1990er Jahren erlebte sie eine Hoch-Zeit und ist seither recht stabil in Deutschland verbreitet. Auch in Österreich sind einige Perlfeh-Züchter zu finden.
"Das Perlfeh (P. F.)
Bei keiner anderen Kaninchenrasse kennen wir soviel Abarten, wie bei den Fehkaninchen, von denen jedoch bei Aufstellung der gegenwärtigen Bewertungsbestimmungen einige Arten als selbständige Rassen ausgeschieden oder zu anderen Stammverwandten Rassen zusammengelegt wurden. Zusammengelegt wurden bei den kleinrassigen Fehkaninchen die beiden Gattungen der "Düsseldorfer Perlfeh" und der "Augsburger Feh", die bis dahin jede für sich als eigene Rasse aufgeführt und auf den Schauen bewertet wurden. Daneben kannte man noch das Großfeh, das bei den Wienern Aufnahme gefunden hat, sowie das Riesenfeh, das unter die Riesenkaninchen eingereiht worden ist, da es seiner ganzen Beschaffenheit wegen dort am besten zugeteilt werden konnte. Für die heute als Perlfeh geführten Feharten gilt folgendes:
Herkunft
Das
Düsseldorfer Perlfeh, nach seinem Herauszüchter, Karl Hoffmanns, Düsseldorf,
benannt, ist einige Jahre nach dem Marburger Feh erstanden und sollte in der
Farbe die charakteristische Eigenschaft des sibirischen Feh-Eichhörnchens, die
dem Marburger Feh noch fehlte, ergänzen. Der Hauptwert der Farbe wurde also auf
die Perlung der Decke gelegt, die zum Teil in ähnlicher Art wie beim
sibirischen Feh, wenn auch farblich noch etwas abweichend, erreicht wurde. Man
hat es hier mit einem blauwildfarbigen bzw. fehwildfarbigen Tier zu tun, das
eine blaugraue Deckfarbe zeigt, auf der noch Anzeichen der Wildfarbe durch die
weißlich grau und dunkel gespitzten Deckhaare und die bräunlich-rote
Zwischenfarbe vorhanden sind. Je nach dem Vorhandensein von etwas mehr brauner
Zwischenfarbe und dunkler Pigmentierung der Decke herrscht die
Blauwildfarbigkeit vor oder weicht beim Fehlen dieser Merkmale der
Fehwildfarbe. Äußerlich ist nicht feststellbar, welcher Art das Tier angehört,
da keine so großen farblichen Unterschiede vorhanden sind, die einwandfrei
darauf hinweisen. Erst durch die Zucht ist der Nachweis der farblichen
Zugehörigkeit feststellbar. Wir haben jedoch noch mehr perlfehartige Kaninchen,
die alle auf dieselbe Farbe hinauslaufen. Es sind dies das "Schweizer
Feh", das "Gris Perle de Hal" und das "Petit Gris",
letztere beiden in Frankreich gezüchtet, die unabhängig vom Deutschen Perlfeh
erstanden sind.
Dann
ist aber selbst in Deutschland neben dem "Düsseldorfer Perlfeh" noch
eine ähnliche Fehart herausgekommen im "Augsburger Fehkaninchen",
dessen Herauszüchter Deininger, Augsburg, ist.
Auch
diese Züchtung geht auf die Jahre kurz nach dem Weltkrieg zurück. Auch an
anderer Stelle des Reiches wurde ein weiteres kleinrassiges Perlfeh-Kaninchen
herausgebracht von Röhmeier in Pinneberg, der die Züchtung auf einer
Preisrichtertagung in Hamburg zeigte, um feststellen zu lassen, ob sich die
Weiterzucht dieser Farbe lohnt und gleichzeitig der Züchtung einen passenden
Namen geben zu lassen. In der Färbung war es ein ausgesprochen blaugraues
Kaninchen, das mit dem von Hoffmanns-Düsseldorf herausgebrachten Tier
vollständig übereinstimmte. Es wurde also kurzweg als Perlfeh benannt, ohne
weitere Namenszusetzung. Verbreitung hat es jedoch nie angenommen.
Das
Augsburger Feh zeigt in der Farbe einige Unterschiede von dem Düsseldorfer
Perlfeh. Hier haben noch Reste der braunen Havannafarbe standgehalten, da die
Deckfarbe weniger geperlt ist, dafür mehr Fehfarbe mit einem rotbraunen
Einschlag aufweist. Immerhin sollte auch das Augsburger Feh das Perlfeh
imitieren. Es lag deshalb nichts näher, als bei der Neuaufstellung der
Reichsbewertungsbestimmungen beide Feharten, da sie recht wenig vertreten waren
und dasselbe Ziel der Imitation des sibirischen Fehs hatten, zusammen zu legen.
Heute kennen wir also nur noch eine Rasse mit der Bezeichnung
"Perlfeh".
Rassebeschreibung
Es ist
ein kleinrassiges Kaninchen, in der Form und Gestalt, sowie in der Größe genau
mit dem Marburger Feh übereinstimmend.
Die
Farbe weicht indessen davon ab und zeigt eine blaugraue Deckfarbe, die in
Abtönungen von hell bis dunkelschattiert zugelassen ist. Weißlichgraue Deckhaare
mit scharf abgesetzter Haarspitze ergeben die Perlung, die gleichmäßig über den
Oberkörper verteilt sein soll und klar hervortreten muß. Je schärfer die
Perlung, um so besser. Im Genick finden wir einen kleinen braunroten Keil vor.
Augenringe, Kinnbackeneinfassung, Brust und Läufe sind etwas heller in der
Gesamtfärbung. Die Bauchdeckfarbe ist bei dem hellen Farbenschlag weiß, bei den
mittelfarbigen und dunklen Tieren blaugrau. Die Unterfarbe muß bei allen
blaugrau sein. Zwischen der Unterfarbe und den Deckhaarspitzen liegt ein
schmaler braunroter Streifen, der leicht durchscheint. Die Augenfarbe ist
blaugrau, die Krallenfarbe dunkel, desgleichen die Spürhaare.
Die
Zucht bereitet keine Schwierigkeiten, da die Blauwildfarbe, aber ebenso die
Fehwildfarbe, bei planmäßiger Züchtung rein weiter vererben. Sie sind auch
weniger äußeren Einflüssen (Rost) unterworfen als andere zarte Farben.
In der
Größe kommen die Perlfeh als Tiere der kleinen Rassen mit den Marburger Feh
überein. Sie dürfen keineswegs etwa stark über den Rahmen einer kleinen Rasse
hinaus gehen, da sie sonst zu nahe an die farbverwandten blaugrauen
Wienerkaninchen herankommen. Bei dem festgelegten Normalgewicht von 2,500 kg
läßt sich der gewünschte kleinrassige Typ vollkommen erhalten. Als
Mindestgewicht sind 2,000 kg für die Bewertung auf den Schauen festgelegt."
(F. Joppich, 1942)
Rassestandard
(I) Das Perlfeh ist ein kleines Kaninchen mit einem Gewicht von 2,00 bis 3,25 kg (Idealgewicht: 2,50 bis 3,25 kg).
(II) Der Körper ist leicht gedrungen, breit und walzenförmig, der Kopf kurz mit breiter Stirn und Schnauze sowie leicht ramsigem Nasenrücken. Die Ohrenlänge beträgt in etwa 10 cm.
(III) Das Deckhaar ist mittellang (ca. 2,5 cm, d.h. kürzer als bei anderen kleinen Rassen mit Normalhaar), das Unterhaar sehr dicht - Perlfeh bestechen durch ihr insgesamt sehr weiches Fell.
(IV) Der Perleffekt ("Pfeffer und Salz") entsteht durch das Zusammenspiel einer bräunlich-gelben und nicht allzu breiten Wildfarbzone des Deckhaars und scharf davon abgegrenzten dunkelblauen Deckhaarspitzen. Die spärlichen, blauen Grannenhaare überragen die Deckhaare nur wenig und spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle.
(V) Die Deckfarbe ist blau(dunkel)wildfarbig mit hellen Wildfarbigkeitsabzeichen (Augenringe, Kinnbacken- und Naseneinfassung, Genickkeil, Brust, Innenseite der Läufe und Bauch). Die Vorderlauffarbe entspricht der Deckfarbe mit leicht aufgehellten bräunlichen Binden. Die Farbe der Iris ist blaugrau.
(VI) Die Zwischenfarbe des Unterhaars ist schmal und unscharf abgegrenzt. Die Unterfarbe ist blau bis blaugrau.
Rammler zeigen eine ausgeprägte Backenbildung, während Häsinnen etwas feiner gebaut sind.
(Joppich 1969; Niehaus 1987; Contes 2003; Eknigk 2019; Walks 2019/42; Majaura 2023/7; Europa Standard 2024)
Sonstiges
- Der ideale Rassetyp wird in der Regel ab einem Alter von etwa sieben bis zehn Monaten verkörpert.
- Zu erwartende Wurfstärke: 3-7.
- Für die Rasse Perlfeh sind keine gehäuft auftretende (zuchtbedingte) Erkrankungen bekannt.
- Insbesondere in den Sommermonaten kann das Fell umweltbedingt "rosten" und damit das äußerliche Erscheinungsbild beeinträchtigt sein. Mit dem Fellhaarwechsel im Herbst kommt die typische Farbe mit seiner aparten Perlung zurück.

