GENETIK

Haarfarben, Haarstrukturen und andere Merkmale


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➭ Grundlagen Haarzyklus und Pigmentbildung: Behaarung und Pigmentierung

Glossar (Genetik und Genomik)


Haarfarbe

Klassifizierung bekannter (Haupt-)Farbgenorte nach Phänotyp 


Die Farbe des Fellhaars wird grundsätzlich polygen bestimmt, allerdings gibt es einige Gene mit besonders großem Einfluss. Bei Säugetieren sind dies:

KIT (Proto-Oncogene Receptor Tyrosine Kinase), KITL (KIT-Ligand), MITF (Microphthalmia associated Transcription Factor), Gene der Endothelin-Achse (z.B. EDNRA oder EDNRB endothelin-receptor-A/B) ➭ Einfluss auf die Entwicklung der Melanozyten

MC1R (Melanocortin 1 Receptor), ASIP (Agouti-signalling Protein) ➭ Wechsel zwischen Eumelanin und Phäomelanin

TYR (Tyrosinase; oder: OCA1 - oculocutaneous albinism type 1), TYRP1 (Tyrosinase related Protein 1; oder: OCA3 - oculocutaneous albinism type 3), OCA2 (Oculocutaneous albinism 2; oder: P - pink-eyed dilution), MATP (Membrane-Associated Transporter Protein; oder: OCA4 - oculocutaneous albinism type 4➭ Einfluss auf die Melanin-Synthese (direkt: TYR, TYRP1; indirekt: OCA2, MATP)

(nach: Demars et al. 2021; Demars et al. 2022; Ballan et al. 2023).

Die hervorgehobenen Genorte (und weitere) wurden inzwischen auch beim Kaninchen als wesentliche Regulatoren der Fellhaarfarbe durch molekulargenetische Untersuchungen bestätigt.



Hinweise für die folgenden Kapitel:
Internationale Symbole werden in Klammer angegeben. Sind an einem Genort mehrere Allele bekannt, werden sie in der Reihenfolge abnehmender Dominanz aufgeführt.
In den aufgeführten
Beispielen dienen die Unterstriche "_" als Platzhalter für gleiche Allele oder Allele mit untergeordnetem Dominanzverhalten.
 

Genorte I (Grundfarbe)


B
(E) - Extension-Locus

Der Genort MC1R (melanocortin 1 receptor/ MSH-R, melanocyte-stimulating hormone receptor, Scaffold GL018965) codiert einen Hormonrezeptor, der sich auf der Oberfläche der Melonozyten befindet und die Ausdehnung von dunklem Pigment reguliert ("Pigment-Type-Switching"): durch Bindung von α-MSH (α-melanocyte-stimulating hormone) wird bevorzugt Eumelanin gebildet. Als ein Antagonist von α-MSH wurde ASIP beschrieben; wird MC1R durch ASIP gehemmt, resultiert eine verminderte Eumelanin-Synthese (Fontanesi et al. 2010b; Fontanesi et al. 2006; OMIA 001199-9986).

Bekannte Allele:

BEE (ED) - Dominant Schwarz. Der Rezeptor MC1R ist permanent aktiviert; im Vergleich zu einfarbig (nicht-wildfarbig) schwarzen Tieren ist die reinerbige Form möglicherweise an etwas helleren Leithaaren erkennbar (Niehaus 1987).

BE (ES) - Eisengrau. MC1R reagiert nur sehr reduziert auf die Anwesenheit von ASIP, α-MSH lässt sich nur schwer verdrängen. Bisher wurde keine abweichende DNA-Sequenz zu BEE festgestellt - möglicherweise spielen bei verschiedenen Schwarz-Varianten modifizierende Gene oder epigenetische Faktoren eine Rolle.
Dominant Schwarz oder Eisengrau überlagern die Wildfarbigkeit: BEE und BE verhalten sich teildominant gegenüber ASIP.
Homozygot BEE, bzw. BE wurde in den Rassen Kalifornier, Riesenschecken, Kleinschecken, Holländer, Riesen weiß (Albino) und Weiße Neuseeländer (Albino) festgestellt (Fontanesi 2021b); Schwarz-weiß gescheckte Kaninchen können aber auch heterozygot BEE/B oder BE/B-Wildtyp tragen (Fontanesi 2021); bei russenfarbigen Kaninchen können BE/B oder homozygot BE zu tiefschwarzen Körperextremitäten führen.
Die Farbe eisengrau (heterozygot BE/B) ist an der fehlenden Zwischenfarbe, den kaum erkennbaren Wildfarbigkeitsabzeichen und an der nicht gesprenkelten Blumenoberseite zu erkennen (Guggenberger 2018/11).

B (E) - Wildtyp (zwei Isoformen bekannt (Fontanesi 2021)). Im Zusammenspiel mit ASIP, bzw. dem Breitbandfaktor w sind verschiedene Abstufungen möglich. 

bJ (eJ) - Japaner. Eumelanin ist ungleichmäßig auf dem Körper verteilt (schwarz-gelb-Mosaik). 
bJ verhält sich teildominant gegenüber Faktor G: 

  • Der Agouti-Faktor (ASIP) tritt bei den dunklen Farbfeldern eines wildfarbigen Japaners nicht in Erscheinung (keine gelben Farbzonen der Einzelhaare, "Dominant Schwarz"); 
  • Das Vorhandensein von G oder g ist nur an den gelben Farbfeldern erkennbar:
    bei wildfarbig gelb (oder weiß bei Rhön) gefärbten Haaren trägt bJ zu deren "Bereinigung" bei, denn die Ausbildung schwarzer Haarspitzen wird auf ein Minimum zurück gedrängt; am Bauch, an der Innenseite der Läufe oder an der Blumenunterseite kann die typische, weiße Körperzonierung der Wildfarbigkeit in Erscheinung treten;
    dagegen weisen "einfarbig" gelbe Haare schwarze Spitzen auf, und die gelbe Farbe ist besonders intensiv gelbbraunrot. 

(Castle 1924; Robinson 1958; Niehaus 1987; Fontanesi et al. 2010; Majaura 2021/4) 

Die Farbausprägung wird möglicherweise durch epigenetische Regulationsmechanismen bestimmt (Fontanesi 2010; Fontanesi 2021); denkbar wäre z.B. eine Position-effect variegation (PEV), bei der die Expression eines Gens in einem bestimmten Zelltyp durch seine relative Lage zu Heterochromatin-Bereichen bestimmt wird (kein Nachweis vorhanden). 
Die gezielte Zucht von Japaner-gezeichneten Kaninchen begann im 19. Jahrhundert in Frankreich (Castle 1924; Niehaus 1987). Sie entstanden aus Kreuzungen von wildfarbigen  Tieren und solchen mit Holländerscheckung - zumindest bis um die Jahrhundertwende waren weiße Abzeichen nicht ungewöhnlich (Mahlich 1903, Starke 1907 und Schumann 1918, zitiert nach Möbes 1946; Hoy 2012). Demnach könnte eine Japanerzeichnung mit klar getrennten Streifen von Holländerfaktoren beeinflusst werden (Majaura 2021/4; siehe auch Robinson 1958 und Searle 1968).

A_bj_C_D_G/g0/g_: Japanerfarbig;
achi_bj_C_D_G/g0/g_: Rhönfarbig
Wild-Japanerfarbig mit der Allelkombination BbJ - siehe ergänzende Information unten.

Rassen-Beispiele: Japaner, Dreifarbenschecken (Fontanesi 2021b).

b (e) - Rezessiv gelb. MC1R ist funktionsunfähig, die Bildung von Eumelanin wird unterdrückt.

A_b_C_D_G_: Gelb oder - mit Anhäufung von Gelbverstärkern - Rot (auch A_b_c_D_G_ ist im Phänotyp nahezu gelb (Robinson 1958));
A_b_C_D_g_: Thüringerfarbig (gemsfarbig, madagaskarfarbig); rußiger Schleier auf dem Rumpf - "Rumpfabzeichenzone" - und rußige Gesichtsmaske);
A_b_C_d_g_: Blau Thüringerfarbig/ Isabell;
A_b_c_D_g_: Havanna Thüringerfarbig/ Orange/ Sepiabraun;
A_b_c_d_g_: Feh Thüringerfarbig/ Separatorfarbig (Die Bezeichnung "Separator" leitet sich von der Möglichkeit ab, mit seiner Hilfe die Erbreinheit aller Rassen hinsichtlich ihrer Farben zu prüfen - rezessive Farbgene der B-, C-, D-und G-Serie können bei entsprechender Anzahl an Nachkommen identifiziert werden.);
A_b_C_d_G_: Mignon;

Homozygot b wurde in den Rassen Burgunder, Sachsengold, Rote Neuseeländer und Thüringer, sowie gelben oder roten Kaninchen anderer Rassen festgestellt (Fontanesi 2021b).



Ergänzende Information zum E-Lokus

Dominanzverhalten und Interaktionen der Allele des Extension-Locus unter dem Einfluss des ASIP (s.u.) (nach Robinson 1958, zitiert nach Searle 1968 und Fontanesi 2021b; internationale Symbolik)
Dominanzverhalten und Interaktionen der Allele des Extension-Locus unter dem Einfluss des ASIP (s.u.) (nach Robinson 1958, zitiert nach Searle 1968 und Fontanesi 2021b; internationale Symbolik)


G (A) - Agouti-Locus

Der Genort ASIP (Chromosom 4) codiert das agouti-signalling protein, welches die Synthese von Eumelanin durch Interaktion mit dem Genort extension in den Melanozyten hemmen kann und damit für die Einzelhaarzonierung (zeitlich begrenztes Signal - dunkles Pigment wird vor allem zu Beginn und am Ende des Haarwachstumszyklus gebildet, gelbes Pigment dagegen hauptsächlich zur Mitte des Zyklus) und die Wildfarbigkeitsabzeichen (räumlich, d.h. auf bestimmte Körperstellen begrenztes Signal) verantwortlich ist (Fontanesi et al. 2010b; OMIA 000201-9986).
Das an der Melanogenese beteiligte Agouti-Protein wird möglicherweise vorrangig von Zellen der dermalen Papille exprimiert (Hirobe 2011).

Bekannte Allele:

G (A) - Wildtyp (Wildfarbig/ Agouti - ASIP bestehend aus 131 Aminosäuren; zwei Isoformen bekannt: 1A (ventral, bauchseitig) und 1C (dorsal, rückenseitig). Jedes wildfarbige Haar besitzt zwei bis vier farbige Bänder (siehe "Wildfarbigkeit", Behaarung und Pigmentierung).

g0 (at) - Otter ("Abzeichenbewahrungsfaktor"). Aufhebung der dorsalen Einzelhaarzonierung unter Erhaltung der überwiegend ventralen Wildfarbigkeitsabzeichen. Die fehlende Aktivität des ASIP am Rücken der Tiere basiert mit großer Wahrscheinlichkeit auf einer 11kb-Deletion in der ASIP-Promotor-Sequenz: (g.5455408_5466123del) (Ammann 2018; Letko et al. 2020; Fontanesi 2021; in diesem Fall: "Hair cycle (specific) promotor", HCP).

A_B_C_D_g0_: Otterfarbig; oder - mit Anhäufung von Gelbverstärkern Y und in Kombination mit dem Breitbandfaktor w (blaue Unterfarbe am Bauch wird verdrängt; Majaura 2016/12) - Lohfarbig (black and tan: schwarz und brandrot)
(Anmerkung: Die Lohe bei Blau- oder Fehloh ist aufgrund der Farbverdünnung "d" weniger intensiv als bei Schwarz- oder Braunloh.);
achi/am/an_B_C_D_g0_: Weißgrannenfarbig.

(a) - Nicht-Wildfarbigkeit (Non-agouti; verkürztes, nicht funktionales Protein aufgrund der Insertion (c.5_6insA)). Es wird hauptsächlich dunkles Pigment in das wachsende Haar eingelagert, demnach weder Einzelhaar- noch Körperzonierungen, sondern einheitliche Haarfarbe.
Homozygot g wurde z.B. in den Rassen Alaska, Champagne d'Argent, Holländer (schwarz-weiß), Havanna, Silber (schwarz), Blaue Wiener, Englische Schecken (schwarz-weiß), Kalifornier, Riesenschecken, oder auch Weiße Neuseeländer, Thüringer und Weiße Wiener festgestellt (Fontanesi et al. 2010b; Fontanesi 2021b).


A (C) - Color/ Albino-Locus

Der Genort TYR (Chromosom 1) codiert das Enzym Tyrosinase, welches die Bildung von Melanin aus der Aminosäure Tyrosin katalysiert (Aigner et al. 2000; Wolf Horrel et al. 2016; Utzeri et al. 2021; Fontanesi 2021b)

Bekannte Allele:

A - Wildtyp (Tyrosinase bestehend aus 530 Aminosäuren; vermutlich gibt es mehrere Isoformen mit ähnlicher Aktivität). Vollpigmentierung mit dunklen Augen.

achi - Chinchilla (Teilalbino). Unter dem Einfluss von ASIP erfolgt keine Einlagerung von gelbem Phäomelanin in die Zwischenfarbzone des Unterhaars und die Wildfarbzone des Deckhaars - diese Zonen sind dann weiß (Contes 2005); Dunkle, mittlere oder helle* Farb-Ausprägung möglich (Robinson 1958; Fontanesi 2021; Fontanesi 2021b; siehe Abbildung unten).

achi_B_C_D_G_: Chinchillafarbig;
achi_b_C_D_G_: Schwarzgrannenfarbig (Die dunklen Grannen können auch heraus gezüchtet werden (Niehaus 1987).)
achi_b_C_D_g_: Sallanderfarbig.

*: am - Marder (helles chin)
amamB_C_D_g_: Dunkel-Marderfarbig; amanB_C_D_g_: Typ-Marderfarbig;
amamb_C_D_g_: Dunkel-Siamfarbig; amanb_C_D_g_: Typ-Siamfarbig
(g bei Rassekaninchen).

Typmarder dunkeln mit zunehmendem Alter nach - so können z.B. marderfarbig braune Tiere im Alter von drei bis vier Jahren nahezu schwarz aussehen (Joppich 1969).

an - Russe (Teilalbino). "Kälteschwärzung" der Extremitäten aufgrund einer hitzelabilen Tyrosinase; in den warmen Körperregionen ist das Enzym inaktiv (Searle 1968; OMIA 000202-9986).
Epistatische Interaktionen können für eine variable Ausprägung der Russenfarbe verantwortlich sein, so können MC1R, ASIP oder prozessierte Pseudogene ribosomaler Proteine die Farbintensität beeinflussen oder KIT die Ausbreitung der Melanozyten, d.h. der Farbfelder (Demars et al. 2021; Demars et al. 2022; OMIA 000209-9986).
Bedeutung für die Gesundheit: siehe Albino.

an_B_C_D_G_: Russenfarbig.

Besonderheit bei achi, am oder an in der Kombination mit Gelb ("b") laut Niehaus (1987):
wildfarbig b_G_ (oder b_g0_): gelbes Pigment wird vollständig ausgelöscht
vs. nichtwildfarbig b_g_: gelbes Pigment wird nur teilweise ausgelöscht, bzw. kann in abgeschwächter Form "schmutzig" in Erscheinung treten (Vgl. Marder, Siam).

a - Albino. Das Enzym Tyrosinase ist nicht funktional, weshalb im gesamten Körper keine Bildung von Melanin möglich ist.
Bedeutung für die Gesundheit: Melanin-Pigmente spielen eine wesentliche Rolle für den UV-Schutz. Insbesondere wenig behaarte Haut kann unter intensiver UV-Strahlung Schaden nehmen. Fehlt Melanin im Auge, können betroffene Tiere außerdem eine erhöhte Lichtempfindlichkeit und eine reduzierte Sehschärfe aufweisen (Reissmann & Ludwig 2013; Solano 2014).
(Siehe auch https://www.wikikanin.de/sehen zur Sehschärfe von Kaninchen und anderen Säugetieren. Die Sehschärfe selbst von pigmentierten Kaninchen ist vergleichsweise gering.)

Ebenso wie der Russenfaktor an kann das Allel a bei Spalterbigkeit (A/a, achi/a, an/a) eine reduzierte Melaninsynthese bewirken (aufgehelltes Haar).


Dominanzverhalten zwischen Allelen des C-Locus und Pigment-Ausprägung für die verschiedenen Kombinationen (nach Robinson 1958 und Fontanesi 2021b; internationale Symbolik; d: dunkle, m: mittlere, h: helle Farbausprägung bei Chinchillafarbigen - die Pigmententbildung der beiden letztgenannten ist ähnlich der Russenfarbe temperaturabhängig)
Dominanzverhalten zwischen Allelen des C-Locus und Pigment-Ausprägung für die verschiedenen Kombinationen (nach Robinson 1958 und Fontanesi 2021b; internationale Symbolik; d: dunkle, m: mittlere, h: helle Farbausprägung bei Chinchillafarbigen - die Pigmententbildung der beiden letztgenannten ist ähnlich der Russenfarbe temperaturabhängig)


Genorte II (Modifikation der Grundfarbe)


C (B) - Brown-Locus

TYRP1 (tyrosinase-related protein 1, auch DHICA-Oxidase, Chromosom 1) katalysiert die Synthese von Eumalanin aus 5,6-Dihydroxyindol-2-carbonsäure. Ein Mangel dieses Enzyms kann durch alternative Stoffwechselwege bei der Melaninsynthese in der Regel nur teilweise ausgeglichen werden. Weiters stabilisiert TYRP1 das Enzym Tyrosinase und ist an der Struktur der Melanosomen (potentielle Beeinflussung der Lichtreflexion) beteiligt (Hearing 1999, Sarangarajan & Boissy 2001, zitiert nach Slominski et al. 2005; Fontanesi 2021b).

Bekannte Allele:

C (B) - Wildtyp (Vermutlich gibt es mehrere Isoformen mit ~537 Aminosäuren; Fontanesi 2021). 

c (b) - Braun (Verkürztes Protein, unvollständige Domain in TYRP1 (Utzeri et al. 2014; OMIA 001249-9986)). Der Verlust an Eumelanin ist auch an der helleren Krallenfarbe erkennbar.

A_B_c_D_g_: Havannafarbig (An dunklem schokoladenbraun sind vermutlich modifizierende Gene beteiligt (Robinson 1958)).


D (D) - Dilute-Locus

Der Genort MLPH (Scaffold GL018840) codiert das Trägerprotein Melanophilin. Eine Variante des Gens verursacht einen Defekt im Melanin-Transport von den Melanozyten zu den Keratinozyten durch Agglomeration (Verklumpung) der Melanosomen, welcher in einer Farbverdünnung im Haar resultiert (schwarz zu blau, braun zu feh oder rot zu gelb, bzw. gelb zu creme) (Lehner et al. 2013; Fontanesi et al. 2014b; Demars et al. 2016; Demars et al. 2018; Dorozynska & Maj 2020; Fontanesi 2021; Fontanesi 2021b). Auch die Augenfarbe ist davon betroffen. 

Bekannte Allele:

D - Wildtyp 

d - verdünntes Melanin. Es wurden bisher zwei mögliche Varianten ermittelt, wobei tendenziell die Frameshift-Mutation (c.585delG) die verantwortliche Variante des d-Allels bei den meisten Rassen mit verdünnter Fellfarbe ist, z.B. bei Riesenschecken blau-weiß, Blaue Wiener, Kalifornier blau-weiß, Weißgrannen blau, Englische Schecken blau-weiß, Marburger Feh oder Perlfeh (Lehner et al. 2013; Fontanesi et al. 2014b; Demars et al. 2018; Fontanesi 2021; Fontanesi 2021b; OMIA 000031-9986).

A_B_C_d_G_: Blaugrau oder Perlfehfarbig;
A_B_C_d_g_: Blau;
A_B_c_d_G_: Luxfarbig;
A_B_c_d_g_: Fehfarbig;

Die erste Kaninchenrasse, bei der einfarbig blau (d/d) festgestellt wurde, waren Blaue Wiener.
Modifizierende Gene können die Farb-Intensität weiter reduzieren: blaue Van Beveren (Robinson 1958).
Kaninchen mit d/d im Genotyp können möglicherweise als Tiermodel für das humane Griscelli-Syndrom Typ III dienen (Fontanesi 2021; Fontanesi 2021b).



Leuzismus und Weißscheckung

Leuzismus beschreibt die Abwesenheit von pigmentbildenden Zellen in Haut und Haar. Scheckungsmuster können auf abgeschwächte Formen des Leuzismus zurückzuführen sein (unvollständiger Leuzismus). Sie unterliegen mehr oder weniger dem Zufall, sind jedoch durch strenge Selektion beeinflussbar.

Vorläuferzellen der Melanozyten sind die Melanoblasten, welche im frühembryonalen Stadium aus der Neuralleiste - vom Rücken in Richtung Bauch - bis hin zu ihrem Zielgewebe (Haut, Haarfollikel, Iris der Augen oder auch Innenohr) auswandern. Dort angelangt, vermehren sich die Zellen in alle Richtungen, bis sie auf benachbarte Zellen treffen und so z.B. die gesamte Körperoberfläche ausfüllen (Stenn & Paus 2001).
Es können nur solche Körperregionen pigmentiert sein, in denen Melanozyten, bzw. Melanozyten-Stammzellen angesiedelt sind, während Regionen mit einem Mangel an Melanozyten(-Stammzellen) weiß bleiben. Gene oder Regulationsmechanismen, die weiße Abzeichen verursachen, sind demnach direkt oder indirekt an der Entwicklung, Migration oder Differenzierung der pigmentbildenden Zellen beteiligt (Grichnik 2006; Hoekstra 2006).


KIT-Locus (English Spotting Locus)

Eine Schlüsselrolle bei diesem Vorgang spielt der Genort c-KIT (cellular receptor tyrosine kinase; Chromosom 15), welcher mit dem Allel "k" einen Transmembran-Rezeptor mit intrinsischer Tyrosinkinase-Aktivität codiert. Binden bestimmte Wachstumsfaktoren an den Rezeptor, werden Signalübertragungskaskaden ausgelöst, welche die prä- oder perinatale Entwicklung, Wanderung oder Differenzierung von Zellen, z.B. der Melanoblasten, beeinflussen. c-KIT kann weiters im Rahmen des postnatalen Haarzyklus für die Aktivierung der Melanozyten oder weitere Funktionen erforderlich sein (Botchkareva et al. 2001; Peters et al. 2003) und wird z.B. auch in den weiblichen Eizellen und in bestimmten Zellen des Gastrointestinaltrakts exprimiert, die essentiell für die Darmmotilität sind (Hutt et al. 2006; Fontanesi 2021; OMIA 000209-9986)

... the KIT receptor cannot be viewed as a simple on/ off switch, but has complex regulatory roles.
(Grichnik 2006)

Mit Mutationen des KIT-Genorts assoziierte Eigenschaften: 

  • K (En) - Punkt- oder Mantelscheckung (OMIA 001597-9986); unvollständig-dominant. Das Allel "K" verursacht einen Mangel an Melanozyten und damit eine weiße Fellhaarfarbe an betroffenen Körperregionen. Dabei wird das Zeichnungsmuster der spalterbigen Typschecken vermutlich von zahlreichen Modifikationsgenen oder Regulationsmechanismen beeinflusst (Oertel & Spörer 1970; Niehaus 1987; Fontanesi et al. 2014). (Europäische) Mantelschecken sind eine besondere Selektionsvariante der Punktschecken.
    Scheckenzucht, bei der möglichst viele Nachkommen eine standardgemäße Zeichnung aufweisen, funktioniert in der Regel nur über geordnete Linienzucht (mäßiger oder schwacher Verwandtschaftsgrad). Dagegen unterliegt die Zeichnung des Nachwuchses von zufällig zusammen gestellten, "blutsfremden" Zuchtpaaren eher dem Zufall (Niehaus 1987; Majaura 2022/3)
    Reinerbige Punktschecken (KK im Genotyp) weisen einen übermäßig großen Weißanteil (mit unterbrochenem Aalstrich und gespaltenem Schmetterling) auf und werden demnach als Weißlinge oder Chaplins bezeichnet.
    Ideal (lt. Standard) gezeichnete Tiere sind trotz guter Zuchtplanung eher selten - in der Ausstellungszucht müssen also relativ viele Jungtiere aufgezogen (!) werden. 
  • Erkrankung Megacolon-Syndrom: Das (europäische) Scheckengen K ist eng mit einer Funktionsstörung des Darms (OMIA 000629-9986) assoziiert: Bei reinerbigen Weißschecken (KK) wurden im Vergleich zu vollpigmentierten Schecken (kk) krankhaft veränderte Zellen im Darm einschließlich einer reduzierten Expression von KIT festgestellt (Fontanesi et al. 2014; Fontanesi 2021). Weißlinge (insbesondere bei Riesenschecken) haben oft eine stark verkürzte Lebenserwartung - viele versterben innerhalb des ersten Lebensjahrs (siehe auch Robinson 1958; Oertel & Spörer 1970). Demnach ist ihre Zucht äußerst kritisch zu betrachten (TierSchG § 5 (2)*).
    Die Ausbildung oder der Schweregrad der Erkrankung können allerdings mit der zugrunde liegenden Genetik oder Epigenetik variieren. Mittels einer angemessenen genetischen Varianz - durch Vermeidung von (enger) Inzucht - können möglicherweise andere Gene epistatisch korrigierend wirken und die Ausbildung klinischer Symptome unterdrücken. So können z.B. zusätzliche Faktoren der Plattenscheckung (s.u.) gesunde Weißlinge hervorbringen (https://originalkleinrex.hpage.com/, Abruf 01/2023), und Ballan et al. (2023) spekulieren über eine potentiell epistatische Wirkung des Gens PTPN2. Auch eine geeignete Ernährung und eine auf Tierwohl fokussierte Haltung (Hygiene, Stressreduktion) können in diesem Zusammenhang wesentlich sein (Robinson 1958; Oertel & Spörer 1970; Fontanesi et al. 2014; Fontanesi 2021; Majaura 2022/3; weitere, anekdotische Berichte)
    Zur Identifikation der für Megacolon ursächlichen Mutation wäre eine vollständige Charakterisierung von KIT sowie angrenzender DNA-Abschnitte notwendig (Fontanesi et al. 2014; Fontanesi 2021). Möglicherweise hat auch die 3D-Struktur des KIT-Locus Einfluss auf die Ausprägung des pathogenen Phänotyps (Kabirova et al. 2022).
    Der RÖK und der ZDRK empfehlen, heterozygote Typ-Punktschecken vorrangig mit homozygoten, vollpigmentierten Tieren zu verpaaren (Brandl 2021; Winkens 2018/7; Majaura 2018/10; Majaura 2022/3).
    Kaninchen mit K/K im Genotyp könnten möglicherweise als Tiermodel für die Hirschsprung-Krankheit beim Menschen dienen (Fontanesi 2021b).
    *: TierSchG § 44 (17): Es liegt kein Verstoß gegen TierSchG § 5 (1) vor, wenn durch eine laufende, schriftliche Dokumentation nachgewiesen werden kann, dass durch züchterische Maßnahmen die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Nachkommen reduziert und in Folge beseitigt werden.
  • s (du) - Holländer-/ Plattenscheckung (OMIA 001922-9986); zugrunde liegende Variante bisher nicht identifiziert. Vermutlich spielen weitere, modifizierende Gene eine Rolle bei der Ausprägung der Scheckung (Castle 1924; Castle 1924b; Castle 1926; Robinson 1958; Searle 1968; Fontanesi 2021; Fontanesi 2021b). Es ist kein Zusammenhang mit körperlichen Defekten bekannt (kein angeborenes Megacolon).
    Der Holländerfaktor, bzw. seine modifizierenden Gene, können eine Anomalie der Iris-Pigmentierung (Heterochromie; vollständig oder sektoriell blau) verursachen, die z.B. bei Rassen wie Chinchilla, Weiße Hotot oder Weiße Wiener beobachtet wurde und in der Regel keine klinische Bedeutung hat (Castle 1926; Robinson 1958; van Praag 2022/6).
    Ein Zusammenhang mit dem V-Locus (s.u.) ist möglich, bisher jedoch nicht bestätigt.

*: nach Robinson (1958, unveränderte Abbildungen)


V-Locus (Vienna White Locus)

Klassischer Leuzismus zeichnet sich beim Kaninchen durch vollständig weißes Fell und blaue Augen aus (OMIA 001868-9986). Ein bekannter Vertreter ist das Weiße Wienerkaninchen.
Das verursachende Gen "x" wird rezessiv vererbt, ist aber homozygot dominant (epistatisch) über die oben genannten Faktoren A, B, C, D und G. In Kombination mit "c" (Braun) können die Augen rötlich erscheinen (Robinson 1958; Proorocu et al. 2019).
"X" ist in der Regel unvollständig dominant und so können auch Träger der Mutation (X/x) weiße Abzeichen aufweisen - welche allerdings nicht vorhersagbar und damit in der organisierten Rassezucht unerwünscht sind.

Eine Assoziation mit der Plattenscheckung (s.o.) ist möglich, denn bei der Herauszucht von Weißen Wienern waren Holländer-Schecken beteiligt, und Kreuzungen von weißen Blauaugen mit einfarbigen Tieren können Nachzuchten mit typischen Holländerabzeichen ergeben, d.h. weiße Blauaugen können möglicherweise Holländerfaktoren vererben (Castle 1922; Will 1931, zitiert nach Möbes 1946;  Joppich 1969; Majaura 2016/1; siehe auch Robinson 1951). Tatsächlich wurde der V-Locus bisher noch nicht identifiziert (Fontanesi 2021).

Gesundheitliche Bedeutung: Laut Nachtsheim (1939 und 1941, zitiert nach Robinson 1958 und Fontanesi 2021b) und Searle (1968) können leuzistisch weiße (x/x) Kaninchen zu epileptischen Anfällen neigen (siehe auch Proorocu et al. 2019; van Praag 2021/7 und 2022/6; OMIA 000093OMIA 000344). Vermutet wird eine gekoppelte Vererbung mit dem V-Locus, das ursächliche Gen wurde noch nicht identifiziert, bzw. die zugrunde liegenden Regulationsmechanismen sind bisher unbekannt. "It is possible to obtain Vienna white families devoid of the epilepsy." (Robinson 1958).



Vermutlich können viele weitere Gene oder Regulationsmechanismen mit Leuzismus in Verbindung stehen, z.B.:

  • MITF (melanocyte inducing transcription factor/ microphthalmia-associated transcription factor, Chromosom 9); ist ein Schlüsselregulator in der Synthese von Melanin - es dient als Transkriptionsfaktor für TYR und TYRP-1, und das Ausschalten kann eine signifikante Reduktion von Tyrosinase und verwandter Proteine verursachen (Einfluss auf Locus A und Locus C). Außerdem ist MITF wohl an der Differenzierung verschiedener Gewebe im frühembryonalen Stadium, z.B der Auswanderung der Melanoblasten aus der Neuralleiste zu ihrem Zielgewebe, beteiligt (Jia et al. 2021); MITF wurde weiters als Regulator in Champagne d'Argent identifiziert (Ballan et al. 2023);
  • KITL (KIT-Ligand); kann mitverantwortlich für das typische Scheckungsmuster von Punktschecken sein (Ballan et al. 2022); wurde als Regulator in albinotischen Rassen identifiziert (Ballan et al. 2023);
  • EDNRA (endothelin-receptor-A); wurde als Regulator in Riesenschecken identifiziert (Ballan et al. 2023) 
    oder EDNRB (endothelin-receptor-B, Chromosom 8); kann möglicherweise das Scheckungsmuster bei Dreifarbenschecken beeinflussen (Position der farbigen Punkte (Ballan et al. 2022)); wurde auch als Regulator in Weißen Riesen, Champagne d'Argent und Farbenzwergen identifiziert (Ballan et al. 2023);
  • bestimmte Peptidhormone (Endotheline);
  • PAX2 (paired box 2); wurde als Regulator in Weißen Riesen identifiziert (Ballan et al. 2023)
    oder PAX3 (paired box 3, Chromosom 7); 
  • SOX10 (SRY-box transcription factor 10, Scaffold GL018972);
  • FGF-x (fibroblast growth factors).

(Siehe auch Yoshida et al. 1996 - Studie mit Mäusen.)


Weitere Scheckungsmuster


Hotot (weiß mit schwarz eingefassten Augen und brauner Iris): Kombination von Platten- und Punktscheckung (Kkss); teilweise auch Xx aufgrund Einkreuzung von Weißen Wienern in der Vergangenheit; mit der Plattenscheckung wird die Zeichnung der Punktscheckung unterbunden (weiße Blesse der Plattenscheckung verdrängt Schmetterling der Punktscheckung); Chaplins (z.B. mit schmaleren, unterbrochenen oder fehlenden Augenringen) sind von Typ-Hotots aufgrund fließender Übergänge optisch teils nur schwer zu unterscheiden (Walks 2022/82; Majaura 2019/7).

Wo - Weißohrscheckung; Genort bisher nicht identifiziert; vermutlich mit KIT assoziiert (bei Weißohr-Weißlingen wohl kein angeborenes Megacolon); 
Auszug der Kreuzungsversuche von Schmitt (2020/8):

WoWo (weiß) x wowo (vollpigmentiert): Wowo (Typ-Weißohren)
Wowo x Wowo: WoWo / Wowo / wowo
Wowokk (Typ-Weißohr) x wowoKk (Typ-Punktschecke): Wowokk (Typ-Weißohr) / wowoKk (Typ-Schecke) / WowoKk (weiß) / wowokk (vollpigmentiert).

Königsmantelscheckung (dreifarbige, sehr dicht gepunktete Mantelscheckung bei Rexfell): Ergebnis der Kreuzung von amerikanischer und europäischer Mantelscheckung mit Japanerfaktor (Caldwell 2016/3; Friedrich 2021/10); siehe auch entsprechende Seiten unter https://originalkleinrex.hpage.com/ oder https://www.kleinrexkaninchen.com/; sehenswerte Bilder: https://www.rexkaninchenvondertalsperre.de/.

Dalmatiner Kombination von Platten- und Punktscheckung (Majaura 2017/8); siehe auch entsprechende Seiten unter https://originalkleinrex.hpage.com/.


Taubheit

Alle Gene, welche die Entwicklung, Wanderung oder Differenzierung der Melanozyten stören und damit zu einem Mangel an ihrem eigentlichen Bestimmungsort führen, können potentiell körperliche Beeinträchtigungen nach sich ziehen. Insbesondere ein Mangel im Kopfbereich kann problematisch sein. Denn neben der pigmentbildenden Funktion in der Haut haben Melanozyten auch eine wichtige Bedeutung für den Hörsinn, da sie offenbar an der Umwandlung von Geräuschen in elektrische Impulse und deren Weiterleitung zum Gehirn beteiligt sind (Searle 1968; Ullmann 2009).
An einem Hörverlust beteiligt könnten z.B. Varianten des V-Locus oder der Transkriptionsfaktoren MITF oder EDNRB
 sein. Auch KIT wäre ein möglicher Kandidat - allerdings wurde beim Kaninchen noch kein Zusammenhang mit Taubheit beschrieben. Möglicherweise spielt ein Zusammenspiel mehrerer - auch bisher unbekannter - Gene oder Regulationsmechanismen eine Rolle, welches großteils noch nicht ausreichend verstanden ist (Strain 2015).

Kaninchen mit leuzistisch weißen Abzeichen im Kopfbereich haben ein gewisses Risiko für Taubheit - die in der Praxis wohl aber nur selten beobachtet wird.

(Im Gegensatz dazu führt Albinismus nicht zu Taubheit.)


Weitere Modifikationsgene

P (Si) - Silberung (OMIA 002010-9986). Jungtiere werden ohne Silberung geboren - diese erscheint erst mit dem Haarwechsel: die nachwachsenden (Deck- oder Grannen-)Haare bleiben farblos (Robinson 1958; Searle 1968). Möglicherweise werden reife Melanozyten mit dem Haar abgestoßen (Quevedo & Chase 1957, zitiert nach Searle 1968; Majaura 2016/6). Weil diese aber meist die Katagenphase des Haarzyklus sowieso nicht überleben und bei jedem Anagen neue, unreife Melanozyten aus einem Melanozyten-Stammzell-Pool rekrutiert werden (siehe Tobin et al. 2005), ist das Ergrauen wahrscheinlich eher auf eine Verarmung an (funktionierenden) Melanozyten-Stammzellen im Haarfollikel zurückzuführen. Verschiedene Genloci und deren Varianten mit komplexem Zusammenspiel sind möglich, bisher jedoch nicht eindeutig identifiziert (Fontanesi 2021). Mögliche Kandidaten wären ADNP2 (Einfluss auf Zelltod), NFATC1 (Einfluss auf Alterungsprozesse in Haarfollikel-Stammzellen) (Ballan et al. 2022) oder MITF (Ballan et al. 2023), die in der Umgebung des Haarfollikels exprimiert werden.

Y - Gelbverstärkung. Verschiedene, bisher nicht identifizierte Genloci ("pheomelanine intensity loci") und ihre Varianten mit summierender Wirkung resultieren in variierender Intensität von Phäomelanin im Haar; fehlende blaue Unterfarbe (Robinson 1958). Die Intensität kann mit dem Alter abnehmen. 
Rassen-Beispiele: Hasenkaninchen oder Deilenaar, Sachsengold oder Rote Neuseeländer, Lohkaninchen.

w - Breitband. Verbreiterung der Zwischenfarbe auf Kosten der Unterfarbe; bekannt seit etwa Mitte des 20. Jahrhunderts (Robinson 1958); verschiedene Varianten möglich, bisher nicht identifiziert. Möglicherweise an den Agouti-Locus gekoppelt (Castle & Sawin 1941; Fontanesi 2021; Fontanesi 2021b). Grundsätzlich können verschiedene Signalmoleküle, z.B. BMP (bone morphogenetic proteins), den Wechsel zwischen Eumelanogenese und Phäomelanogenese beeinflussen (aus: Tobin et al. 2005).

lu (re) - Lutino. Gelbwildfarbiges Fell, rote Augen; keine oder reduzierte Bildung von dunklem Eumelanin.
Die Mutation ist seit 1952 bekannt. 
Gesundheitliche Bedeutung: siehe Albino. 
Möglicherweise assoziiert mit Locus P (pink-eyed dilution; Maus-Analog), bzw. OCA2 (melanosomal transmembrane proteinoculocutaneous albinism type 2, Chromosom 17) (?) - OCA2 wurde bereits als Regulator in Riesenschecken identifiziert (Ballan et al. 2022; Ballan et al. 2023)

Weitere interessante Möglichkeiten der (Albino-)Weiß-Färbung

achi_lulu, luluvv, an_vv, WowoKklulu: weiß mit roten oder pinken Augen;
an_b_ weiß mit hell-rauchigfarbigen Extremitäten und pinken Augen.


Haarlänge und -struktur

VFu/ m/ Rex/ Sa Normalhaar

Langhaar

v (l) - Langhaar (Angorakaninchen) (Chromosom 15; OMIA 000439-9986OMIA 001528-9986). Ein rezessiver Vererbungsmodus wurde zum ersten Mal von Castle (1903, bzw. 1905) für das durchschnittlich etwa 13 Wochen oder je nach Zuchtlinie auch permanent (vs. 4-6 Wochen bei Normalhaar) andauernde Haarwachstum beschrieben. Anfang der 1920er Jahre wurde eine gekoppelte Vererbung mit KIT (Punkt-/Holländerscheckung) festgestellt (Castle 1924b; Castle & Sawin 1941). Später konnte eine enge Kopplung mit dem Genort FGF5 (fibroblast growth factor 5) gezeigt werden, der als ein wichtiger Regulator des Haarwachstums bei Säugetieren gilt (Fontanesi et al. 2014; Mulsant 2004; Stenn & Paus 2001) - die Langhaarigkeit bei Angorakaninchen kann mit einer Missense-Mutation des FGF5 (OMIA:000439) assoziiert sein, aufgrund derer dessen Bindungsfähigkeit an den Rezeptor FGFR1 (fibroblast growth factor receptor 1) beeinträchtigt und damit die Anagenphase signifikant verlängert wird (Fatima et al. 2023).
Auch weitere Genorte oder nicht-codierende RNAs (ncRNAs) können eine wesentliche regulierende Rolle im veränderten Haarzyklus sowie für die wollige Haarstruktur ("Wollvlies") spielen (Chen et al. 2018; Zhao et al. 2018; Ding et al. 2019; Zhao et al. 2019; Chen et al. 2021; Huang et al. 2023).
Bedingt durch das lange Haar erscheint dessen Farbe oft blasser als bei Normalhaar (wenn die absolute Menge an Pigmenten gleich ist).
Kaninchen mit Langhaar verbreiteten sich möglicherweise bereits ab dem 16. Jahrhundert, nachweislich jedoch ab dem 18. Jahrhundert ausgehend von England ("Seidenhasen") nach Frankreich, Deutschland, Österreich und Holland (Nachtsheim & Stengel 1977; Niehaus 1987; Allain 2021).

Tipps zur Schur von Angorakaninchen: Sander (2021/2).
Weitere Informationen: https://www.bonsai-bunnies.de/https://www.angorakaninchen.club

(siehe auch OMIA 002001: Felltuffs an den Ohrspitzen von Angoras, "Fu")

fu - Langhaar (Fuchskaninchen) ("Cashmere" bei Widdern); insbesondere verlängertes Grannenhaar; glattes, glänzendes Fellhaar ohne Wollvlies. Umhaarungen, inbesondere die erste Umhaarung vom Baby- zum Erwachsenenfell, müssen vom Züchter unterstützt werden, um Filzbildung zu vermeiden (Krause 2023/5).

M - Löwenmähne bei Löwenköpfchen; unvollständig dominant; im Langhaarbereich gehemmtes Wachstum von Grannen- und Deckhaaren, jedoch verlängertes Unterhaar; bekannt seit den 1990er Jahren (Ruble 2019/1; Majaura 2022/9); zugrunde liegende Variante bisher nicht identifiziert (Fontanesi 2021).
Anmerkung: Bei Rasse-Löwenköpfchen spielt der Zwergfaktor dw (s.u.) keine Rolle (Majaura 2022/9)

M / z Mähne / Fellzonierung ("Rumpfabzeichenzone") (Mähne, Flankenbehaarung und Bart dunkel gezeichnet) bei Genter Bartkaninchen; M unvollständig dominant, z rezessiv; bekannt seit 1956 (Ruble 2019/1); zugrunde liegende Variante(n) bisher nicht identifiziert.

Langhaar (Jamora) (angoraartig); Jamora entstanden aus Kreuzungen von Japaner, Hermelin und Angora.

Teddy - rezessives Allel, möglicherweise ohne Verbindung zum Angora-Locus; zugrunde liegende Variante(n) bisher nicht identifiziert (Fontanesi 2021b); möglich wäre z.B. eine Kombination aus "Fuchs-Langhaar" und Löwenmähne.

 

Kurzhaar

rex - Rex r1 ("Französisch-Rex" oder "Gillet-Rex"; OMIA 001566-9986): LIPH (Lipase Member H, Chromosom 14) katalysiert die Synthese von 2-acyl lysophosphatidic acid (LPA), welche z.B. Muskelkontraktion oder Zellteilung und -bewegung beeinflussen kann. Eine homozygot vorliegende LIPH-Mutation führt zu einer reduzierten Expression von LIPH in den Haarfollikeln der Haut; in Folge sind Deck- und Grannenhaar (inklusive Tasthaare) verkürzt, strukturell verändert und im Durchmesser reduziert (Diribarne et al. 2011; Diribarne et al. 2012).  

Unterschiedliche Rex-Phänotypen können durch weitere Gene (z.B. CCNA2, Chromosom 15), additive Effekte oder epigenetische Regulationsmechanismen verursacht werden - historisch bekannt sind die Faktoren r2 und r3, über deren potentiell weitere Verbreitung keine Erkenntnisse vorliegen:

r2 "Deutsch-Kurzhaar" (oder: "Wollrex"; persianerartiges, welliges Kurzhaar mit gekräuselten Haarspitzen; OMIA 002005-9986; gekoppelt mir r1); vergleichbare Züchtung aus England: "Astrex"; 

r3 "Normannen-Kurzhaar" (OMIA 002006-9986; nicht gekoppelt mit r1/r2);

(Castle & Nachtsheim 1933; Joppich 1969; siehe auch Lienhart 1962, zitiert nach Fontanesi 2021b; Searle 1968; Chen et al. 2011; Chen et al. 2018; Ding et al. 2019)

Gelegentlich haben Rexkaninchen (über einen begrenzten Zeitraum) gewelltes Haar - dies kann sowohl bei Jungtieren als auch erst bei erwachsenen Tieren (z.B. ab einem Alter von etwa 18 Monaten) vorkommen. Auch ein zeitlich begrenzter Verlust der gesamten Behaarung wird manchmal bei Jungtieren beobachtet (Robinson 1958; laut anekdotischen Berichten auch bei anderen Haartypen möglich). Die kausalen Faktoren wurden bisher nicht identifiziert. 
Die Farbe von kurzen Haaren erscheint intensiver als bei Normalhaar.
Kaninchen mit kurzem Rexhaar sind seit den 1920er Jahren aus Frankreich (r1, r3) und Deutschland (r2) bekannt (Robinson 1958; Joppich 1969).


Satin

sa - Satin (OMIA 002009-9986); seidiges, glänzendes Haar mit erhöhter Sichtbarkeit der Haarpigmente aufgrund veränderter Struktur des Haarschafts; laut Robinson (1953) vermutlich NICHT mit den Genorten [TYR, TYRP1] (Chromosom 1), MC1R (GL018965), ASIP (Chromosom 4), [KIT, "v" (Angora)] (Chromosom 15), "r1"/ "r3" (Rex, Chromosom 14) oder Felllosigkeit gekoppelt. Bildung sowie zyklische Regeneration der Haarfollikel sind sehr komplex reguliert - die kausale Variante wurde bisher noch nicht identifiziert (Fontanesi 2021; Fontanesi 2021b).

Satinhaar ist seit den 1930er Jahren aus den USA bekannt. 
Gemäß anekdotischen Berichten könnten Kaninchen mit Satinhaar übermäßig anfällig für Zahnfehlstellungen sein.


Sonstige

f - "Felllosigkeit" Vorzeitige Verhornung (Keratinisierung) der Haare in der Epidermis; nur die Deckhaare werden ausgebildet; wurde in einer Inzucht-Population beobachtet; autosomal rezessiv (Castle 1933; OMIA 002002).

n - Nacktheit, Haarlosigkeit Wenn das Haarwachstum im Alter von etwa ein bis zwei Wochen beginnt, wächst Haar nur im Schnauzenbereich, an den Ohrspitzen, an der Rückseite der Beine, im Schulterbereich, bzw. der Rumpf ist nur spärlich behaart, die Stirn ist nackt; einhergehend mit reduzierter Vitalität oder Zahndefekten; wurde in einer Inzucht-Population beobachtet; autosomal rezessiv (Kislovsky 1928; OMIA 000700).

Fehlendes Haar, ggf. in Verbindung mit Missbildungen der Kiefer und Zähne oder frühzeitigem Tod, könnte z.B. durch einen Defekt des Gens Bmpr1a (bone morphogenetic protein receptor type 1A) verursacht werden, welches indirekt regulierend auf den Haarzyklus oder die Entwicklung der Zähne wirkt (Andl et al. 2004). Auch Fam83h (family with sequence similarity 83 members H) wäre ein möglicher Kandidat (Zhang et al. 2022). Die Entwicklung der Haarfollikel ist jedoch sehr komplex reguliert, und so können viele weitere Gene oder Regulationsmechanismen Haarlosigkeit (oder Zahnfehler) verursachen.

Es gibt bisher keinen Hinweis auf eine Kopplung mit dem Rexfaktor r1 (Gruaz & van Praag 2020; Fontanesi 2021b).
Haarlosigkeit ist aufgrund der gehemmten Jungtierentwicklung in der organisierten Rassekaninchenzucht ohne Bedeutung (Majaura 2022/9).

Sonstige (Defekt-)Merkmale


Zähne oder Skelett betreffend

dw - "Zwergfaktor" (OMIA 000299-9986); Dw (Wiltyp) autosomal unvollständig-dominant.
Der Zwergfaktor wurde erstmals in Amerika unter den Nachkommen von eng miteinander verwandten "Polish"-Zwergkaninchen festgestellt (Greene, Hu & Brown 1934). Castle & Sawin (1941) stellten eine gekoppelte Vererbung mit ASIP fest.
Als wahrscheinlich kausale Variante wurde eine LOF(loss-of-function)-Mutation des Gens HMGA2 (High-mobility group AT-hook 2, Chromosom 4) identifiziert: eine Deletion von ∼12.1 kb führt zur Inaktivierung des Gens. 
HMG-Proteine wie HMGA2 nehmen insbesondere während der Embryonalentwicklung Einfluss auf die Chromatinstruktur und damit auf die Zugänglichkeit regulatorischer Faktoren zur DNA. Somit können sie eine bedeutende Rolle in der Regulierung des Körperwachstums spielen (v.a. Fett-/Muskelgewebsbildung) (Carneiro et al. 2017; Vignali & Marracci 2020).

Reinerbige Zwerge (dw/dw) haben eine extrem reduzierte Körpergröße - sie wiegen bei ihrer Geburt weniger als die Hälfte ihrer Dw/Dw Geschwister - und leiden unter einer krankhaften Einlagerung von Calcium-Salzen im Schädelknochen, welche sich in einer abnormen Kopfform äußert - sie versterben nur wenige Tage nach der Geburt (homozygot-letal), weshalb eine solche Zucht laut TierSchG § 5 (2) verboten ist.
Auch bei heterozygoten (Dw/dw) Individuen verursacht dw neben dem Zwergwuchs ("Typzwerg") eine veränderte (verkürzte) Schädel-/ Gesichtsform, außerdem kurze Ohren, deren Länge sich ab einem Alter von sieben bis acht Lebenswochen von jenen ihrer Dw/Dw Geschwistern unterscheiden kann (Robinson 1958).

Neben der Rasse Hermelin ist der Zwergfaktor heute z.B. auch bei den Farbenzwergen, die aus den Hermelin hervorgingen (Walks 2018/35), und den Holland/ British Mini Lops relevant, nicht aber bei den (Deutschen) Zwergwiddern oder den Zwerg-Löwenkopf.

Grundsätzlich ist eine Vielzahl an Genen mit komplexem Zusammenspiel an der Ausprägung der Körpergröße beteiligt (Carneiro et al. 2017; Ballan et al. 2022; Ballan et al. 2023). So gelten Porto Santo-Kaninchen - eine um das Jahr 1420 entstandene Population aus verwilderten Hauskaninchen - als die kleinste, wildlebende Unterart des Europäischen Kaninchens, mit einem Körpergewicht von nur wenig mehr als 500 g (Darwin 1873, zitiert nach Möbes 1946; Nachtsheim & Stengel 1977; Niehaus 1986). Daneben gibt es auch Wildkaninchen in Spanien oder Sizilien, die durchschnittlich nur wenig über 1000 g wiegen (Ferreira et al. 2016; Lo Valvo et al. 2014). Allein eine geringe Körpergröße, bzw. ein geringes Gewicht eines Kaninchens lässt demnach keinen verlässlichen Rückschluss auf das Vorliegen des Faktors dw zu.
Ein möglicher negativer Einfluss von "dw" auf die Entwicklung des Gebisses bei heterozygotem Genotypen (Dw/dw) konnte bisher nicht nachgewiesen werden. ("The underlying mechanism [of HMGA2] is still poorly understood." (Carneiro et al. 2017))


mp Brachygnathia superior (auch: Mandibuläre PrognathieOMIA 000149-9986); autosomal rezessiv. 
Symptome: Anomalie der Schneidezähne durch gestörte Proportionen zwischen Ober- und Unterkiefer (Verkürzung des Oberkiefers): Überstand der unteren über die oberen Schneidezähne. Dieser Defekt wurde bei verschiedenen Rassen beobachtet (z.B. Weiße Neuseeländer, Japaner oder Holländer) - demnach ist das mp Gen vermutlich NICHT mit dw gekoppelt; allerdings wurde es bisher auch noch nicht identifiziert.
Eine enge Verwandtschaftszucht kann treibender Faktor sein (Chai 1970; Fox & Crary 1971; bzw. aus: Rühle 2020/63; siehe auch  https://kaninchen-wuerden-wiese-kaufen.de/Zahnfehler).

Siehe auch Hypothese "Dahlem"-Zwergkaninchen, bei denen mandibuläre Prognathie festgestellt wurde, basierend auf einem vom klassischen Zwergfaktor "dw" abweichenden, nicht identifizierten Gen (Robinson 1958; OMIA:001998-9986). Es ist nicht bekannt, ob das entsprechende Allel auch heute noch verbreitet ist.

Erbliche Prognathie kann mit einem Alter von 3 Wochen beginnen (Fox & Crary 1971) und ist oft bereits mit 8 Wochen deutlich ausgeprägt (Nachtsheim 1936; Glöckner 2002).
Betroffene Kaninchen (mp/mp) benötigen eine regelmäßige Zahnbehandlung und sollten dringend von einer Weiterzucht ausgeschlossen werden. Auch Geschwistertiere sollten sorgfältig überprüft werden, und auf eine weitere Verpaarung der beiden Elterntiere ist zu verzichten (TierSchG § 5 (2)).


lo - Löffelohr (leicht verengter Ohransatz und rundlich breit geformte Ohrmuscheln); vermutlich X-chromosomal-rezessiv: tragen Rammler (mit je einem X und einem Y Chromosom) die lo Mutation (auf dem X-Chromosom), so haben sie Löffelohren; Häsinnen besitzen dagegen nur dann Löffelohren, wenn die Mutation reinerbig (auf beiden X-Chromosomen) vorliegt; Achtung: körperliche Defekte möglich (z.B. verkürzte oder fehlende Blume) *!
In der organisierten Rassezucht werden Löffelohren vermieden. Durch Selektion können ähnliche Ohrformen erzielt werden, die jedoch keine körperlichen Beeinträchtigungen mit sich bringen (Majaura 2022/9).

*: Während der frühen Embryonalentwicklung von Säugetieren, bzw. der Differenzierung von Stammzellen, werden in (weiblichen) Zellen mit mehr als einem X-Chromosom alle bis auf eines inaktiviert ("Barr bodies"; Morey & Avner 2011). Welches X-Chromosom aktiv bleibt, ist dem Zufall überlassen, von Zelle zu Zelle unterschiedlich und muss nicht zwingend im Verhältnis 50%:50% erfolgen, sondern kann sich im Bereich 95%:5% bis 5%:95% bewegen. Ein einmal inaktiviertes X-Chromosom bleibt durch epigenetische Regulation in der Regel fortlaufend inaktiv und wird mitotisch an Tochterzellen vererbt. Wenige Gene bleiben trotz X-Inaktivierung aktiv ("Escape Genes").
Erbliche, X-chromosomal bedingte Krankheiten können der Verteilung der X-Inaktivierung entsprechend unterschiedlich schwer ausfallen. (Auch die Verteilung innerhalb bestimmter Organe kann den Schweregrad beeinflussen.) 
https://www.wehi.edu.au/x-inactivation-and-epigenetics


Kraniosynostose
Ungewöhnliche Schädelform durch vorzeitige Verknöcherung einer oder mehrerer Schädelnähte; betroffene Gene: FGFBP1, ITGA3; autosomal dominant, unvollständig penetrant (OMIA 001224).


Brachydaktylie
Anatomische Abnormalitäten, z.B. der Gliedmaßen oder der Ohren, oder auch Abnormalitäten der blutbildenden Gewebe; autosomal rezessiv (OMIA 000146-9986).


Das Auge betreffend

bu - Buphtalmus/ primäres angeborenes Glaukom; ein- oder beidseitig; autosomal rezessiv mit unvollständiger Penetranz, semi-lethal; erste Symptome bereits ab einem Alter von vier Wochen möglich (OMIA 000411; van Praag 2023/1).


Das neuromuskuläre System betreffend

ak - Unkoordiniertes Hoppeln/ "schnelle" Fortbewegung nur auf den Vorderbeinen möglich; betroffenes Gen: RORB; autosomal rezessiv (OMIA 001999).

tr (pt) - Tremor; X-chromosomal-rezessiv; aus der fehlerhaften Expression des PLP1 (proteolipid protein 1) resultiert eine Störung im zentralen Nervensystem; erste Symptome (Schüttellähmung) machen sich bereits während der ersten Lebenswochen bemerkbar (OMIA 000770-9986).


Sonstige

y - Gelbes Fett durch Akkumulation von Xanthophyllen aufgrund fehlendem Enzym in der Leber; betroffenes Gen: BCO2 (Chromosom 1); autosomal rezessiv (OMIA 001079-9986).


(Weitere - mit bisher unbekannten Genorten - siehe Tabelle 8.1 in Fontanesi 2021b)

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